Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen, mögen der Segen und Frieden auf dem letzten Gesandten Allahs sein. Um fortzufahren:

Es kommen Leute, die sagen: „Was ist mit euch los? Warum konzentriert ihr euch ständig auf den Tauhid und redet so oft darüber? Seht ihr denn nicht, dass sich die Muslime heute in einer schlimmen Lage befinden? Viele werden getötet und sie müssen fliehen und werden von den Ländern der Ungläubigen verfolgt - und ihr redet über Tauhid?“

Also antworten wir und bei Allah liegt der Erfolg: Tauhid ist die Grundlage, auf der diese Religion aufgebaut wurde. Wenn wir uns darauf konzentrieren, bedeutet es, sich auf dem Kern zu fokussieren. Wenn wir über den noblen Quran sinnieren würden, würden wir feststellen, dass er die Aspekte des Tauhid wiederholt darlegt, und zwar in solch einem Maße, dass nicht eine einzige Sure im Quran existiert, in der nicht der Tauhid erwähnt wird. Der Quran erwähnt den Tauhid, erklärt ihn und verbietet uns alles, was gegen den Tauhid ist oder ihm schaden könnte. Es war Al-Imam Ibn Al-Qayyim, welcher einst sagte: "Der gesamte Quran dreht sich um den Tauhid, denn er besteht nur aus folgenden Punkten:

•    Informationen über Allah und die Bestätigung der Attribute und der Namen Allahs, - dies ist der Tauhid, über den wir Bescheid wissen müssen, genannt ‚Tauhid al-Asma was-Sifaat‘
•    Den Befehl dass wir Allah allein anbeten und Ihm keine Partner beigesellen, - dies ist der Tauhid, den wir selber in die Tat umsetzen müssen, genannt ‚Tauhid al-Uluhiyyah‘
•    Den Befehl, dass wir Allah und Seinem Gesandten (sallAllahu alaihi wassallam) folgen müssen; und das Verbot, Allah und Seinem Gesandten (sallAllahu alaihi wassallam) ungehorsam zu sein, - dies sind die Wege, wie der Tauhid verwirklicht und vervollständigt wird.
•    Informationen darüber, was Allah für die Leute des Tauhid vorbereitet hat, nämlich die Wonnen, der Erfolg, die Erlösung und die Triumphe des diesseitigen und jenseitigen Lebens. Ebenso die Informationen über die Strafen, welche auf die Leute des Schirk im Diesseits warten, als auch die ewige Qual, die für sie im Höllenfeuer vorbereitet wird. Das Erste ist für die, die den Tauhid umsetzen und das Letztere für diejenigen, die es nicht tun." (Für die Details siehe ‚Madaarijus-Saalikin‘ [3/468])

Deshalb dreht sich der gesamte Koran um den Tauhid. Wenn man über die Suren, die in Mekka offenbart wurden, nachdenkt, wird man feststellen, dass sich die meisten von ihnen vollkommen auf den Tauhid konzentrieren. Dies liegt daran, dass der Prophet (sallAllahu alaihi wassallam) 13 Jahre in Mekka verweilte und in dieser Zeit nur zum Tauhid aufrief und vor dem Schirk warnte.

Die große Mehrheit der religiösen Pflichten, wie Zakat, Fasten, Hajj, die Angelegenheiten von Haram (Verbotenem) und Halal (Erlaubtem), Handelsgeschäfte usw. wurden erst nach der Hijrah (Auswanderung) nach Medinah offenbart. Die Gesetzgebung des Gebets ist darin eine Ausnahme, weil dies zur Pflicht gemacht wurde, als der Prophet (sallAllahu alaihi wassallam) noch in Mekka war, und zwar in der Nacht der Al-Mi’raj, als er bei Nacht nach Jerusalem gebracht wurde, aber dies war kurz vor der Hijrah. (Wie es in den Mutawaatir Überlieferungen von (Al-Mi'raaj) „die Nachtreise“ vorkommt, siehe die Ahad Überlieferung von Anas in Al-Bukhaarie's Kapitel Tauhid [Kapitel 37, Hadith #7517] [13/583] und Muslim's Kapitel Imaan [Kapitel 74, Hadith #162])

Der Hauptanteil der Suren, welche dem Propheten (sallAllahu alaihi wassallam) vor der Hijrah offenbart wurden, fokussierte vollständig auf den Tauhid, womit gezeigt wurde, wie enorm wichtig dieses Thema ist. Ferner wurden die religiösen Pflichten erst dann offenbart, nachdem der Tauhid vorgestellt und in die Herzen der Menschen Einlass gefunden und die richtige ´Aqida (Glaubensgrundlage) Wurzeln geschlagen hatte. Denn wahrlich, die guten Taten werden nicht ohne Tauhid (von Allah) angenommen und sie können nicht ohne Tauhid als Fundament bestehen.
Der Quran veranschaulicht, dass alle Gesandten ihre Mission mit der Einladung der Menschen zum Tauhid begannen, bevor sie irgendetwas anderes predigten, wie Allah sagt: „Und Wir haben ja bereits in jeder Gemeinschaft einen Gesandten erweckt: 'Dient Allah und meidet die Taghut (falschen Götter).'" (Sure An-Nahl, Vers 36)

Allah sagt auch: „Und Wir haben nicht vor dir einen Gesandten gesandt, außer dass Wir ihm offenbart haben: Es gibt keinen Gott außer Mir, also dient Mir!“ (Sure Al-Anbiyyah, Vers 25)

Und jeder Prophet sagte zu seinen Leuten: „Oh mein Volk, dient Allah, es gibt für euch keinen anderen Gott außer Ihm.“ (Sure Al-A’raf, Vers 85)

Dies war also die Vorgehensweise der Gesandten - sie begannen immer mit dem Tauhid!
Genauso taten es die Prediger und Aufrufer zum Islam, welche den Gesandten folgten: sie konzentrierten sich zu Beginn auf den Tauhid. Dies liegt daran, dass jede einzelne Da’wah, welche nicht auf dem Tauhid basiert, ein fruchtloser Aufruf ist, der nicht seinen Zweck erfüllt und es gibt kein positives Resultat dazu. Jede Da’wah, die nicht auf den Tauhid aufbaut, ist ein verlorener Aufruf in Bezug auf sein Endresultat! Dies ist etwas, das gut bekannt ist und man kann es überall sehen.

Andererseits ist jede Da’wah, die sich um den Tauhid dreht, ein wahrlich erfolgreicher Aufruf mit der Erlaubnis Allahs, ein Aufruf, der der Gesellschaft zum Vorteil gereicht und der viele Früchte trägt. Die Geschichte bezeugt dies.

Wir vernachlässigen also nicht die Angelegenheiten der Muslime, tatsächlich sind wir sehr besorgt um sie. Wir helfen ihnen und versuchen, jeden Schaden von ihnen abzuwenden, indem wir alle unsere Mittel dazu benutzen. Es ist natürlich nicht einfach für uns zu sehen, wie die Muslime getötet und verschleppt werden usw. aber es wäre nicht aufrichtig, wenn wir uns selber zu heuchlerischen Tränen zwingen würden und die Welt mit Vorträgen und Schreiben füllen würden, in denen wir schreien und jammern würden ... Denn wahrlich dies würde zu nichts führen.

Wenn wir wirklich eine Lösung für die Probleme der Muslime finden wollen, müssen wir die Ursachen ihrer Probleme erkunden, welche dazu geführt haben, dass die Muslime von ihren Feinden bestraft werden.

Was bringt die Feinde der Muslime dazu, über sie die Oberhand zu gewinnen?
Wenn wir uns die muslimische Welt heute anschauen, sehen wir dass die meisten kein richtiges Engagement bezüglich ihrer Religion an den Tag legen, mit Ausnahme der Wenigen, mit denen Allah barmherzig war. Was wir sehen, sind meist Muslime nur noch dem Namen nach, jedoch ist ihre ´Aqida verloren gegangen. Sie beten andere als Allah an, erbitten Hilfe von Heiligen und rechtschaffenen Menschen, sie klammern sich an Gräber und verrichten weder ihre Gebete noch zahlen sie ihre Zakat noch fasten sie usw.
Sie erfüllen nicht mal die Grundpflichten, die Allah ihnen aufgetragen hat, ebenso vereinigen sie nicht ihre Stärke oder bereiten sich physisch auf einen Kampf mit den Ungläubigen vor! Dies ist der Fall mit der Mehrheit der Menschen, die sich dem Islam zuschreiben – sie haben ihre Religion verloren, deshalb hat Allah, Der Mächtige und Majestätische sie erniedrigt und sie zu Verlierern gemacht.

Der Wichtigste Faktor, welcher sie in diese Lage der Bestrafung geführt hat, ist ihre Achtlosigkeit bezüglich Angelegenheiten des Tauhid und ihr Hineinfallen in den großen Schirk, zu solch einem Ausmaß, dass sie sich gegenseitig diesbezüglich keine Verbote erteilen, ja nicht mal irgendeine Geringschätzung dazu (dem großen Schirk) zeigen. Diejenigen, welche nicht in ihn (den großen Schirk) hineingefallen sind, dulden es stillschweigend oder betrachten es nicht mal als Schirk. Eine Erklärung dazu werden wir noch abgeben, inschaaAllah! Wisse also, dass dies der Hauptgrund für die missliche Lage der Muslime ist!

Wenn sie sich fest an ihre Religion halten würden, ihren Tauhid verwirklichen, ihre ´Aqida nach dem Buch und der Sunnah einrichten würden, fest am Seil Allahs halten und die Spaltung vermeiden würden, dann wahrlich würde sie das, was sie befallen hat, nicht mehr befallen, wie Allah sagt: „… Und Allah wird ganz gewiss denjenigen helfen, die Ihm helfen. Allah ist wahrlich Stark und Allmächtig. - (Ihnen), die, wenn Wir ihnen eine feste Stellung auf der Erde verleihen, das Salah (Gebet) verrichten und die Zakat (Abgabe) entrichten, das Rechte (Ma3ruf) gebieten und das Verwerfliche (Munkar) verbieten. Und Allah gehört das Ende der Angelegenheiten.“ (Sure Hajj, Verse 40-41)

Allah hat also klar gemacht, dass der Sieg den Muslimen solange nicht gegeben wird, bis sie sich auf das konzentrieren, was Er erwähnt hat - indem sie das Gebet verrichten, die Zakat zahlen, das Gute gebieten und das Verwerfliche verbieten!

Tun dies die meisten Muslime heute? Verrichten die meisten Muslime heute ihr Gebet? Oder noch viel wichtiger, wo ist die richtige ´Aqida der meisten Menschen, die sich als Muslime bezeichnen?

Allah sagt: „Allah hat denjenigen von euch, die glauben und salih (rechtschaffene) Werke tun, versprochen, dass Er sie ganz gewiss als Statthalter auf der Erde einsetzen wird, so wie Er diejenigen, die vor ihnen waren, als Statthalter einsetzte, dass Er für sie ihrer Religion, der Er für sie zugestimmt hat, ganz gewiss eine feste Stellung verleihen wird, und dass Er ihnen nach ihrer Angst (, in der sie gelebt haben,) statt dessen ganz gewiss Sicherheit gewähren wird. Sie dienen Mir und gesellen Mir nichts bei. Wer aber danach ungläubig ist, jene sind die (wahren) Frevler (Fasiquun).“ (Sure An-Nur, Vers 55)

Aber wo ist die allererste Bedingung für dieses Versprechen?
„Sie dienen Mir und gesellen Mir nichts bei, …“

Allah hat also klargestellt, dass diese Macht und der Sieg den Muslimen nur dann geschenkt werden, wenn sie diese Bedingung erfüllen, nämlich dass sie Ihn allein anbeten und Ihm keine Partner beigesellen, und dies ist die Essenz des Tauhid. Der Sieg wird nur denjenigen gegeben, die den Tauhid richtig verstehen und anwenden, indem sie Allah allein anbeten, durch die Taten der 'Ibadah wie Gebet, Zakah, Fasten, Hadj und alle anderen Taten des Gehorsams gegenüber Allah.

Beachte, dass Allah, Gepriesen und Erhaben ist Er, nicht nur sagte: „Sie dienen Mir“ vielmehr hat Er es mit folgender Aussage ergänzt: „und gesellen Mir nichts bei,“.

Dies liegt daran, dass die Anbetung Allahs keinen Wert hat, wenn sie von Schirk gefolgt wird. Alle Sorten des Schirk müssen vermieden werden, egal in welcher Form, welcher Art oder welchen Namens sie sein sollten. Schirk bedeutet schlicht und einfach, dass man eine Anbetung (´Ibada) ausführt für jemand anderen als Allah, Den Allmächtigen, Majestätischen.

Dies bringt die wahre Erlösung, die Sicherheit, den Sieg, die Stärke und die Macht auf der Erde – wenn der Muslim seine ´Aqidah und seine Taten korrigiert. Ohne die richtige ´Aqidah wird es Katastrophen und Strafen auf diejenigen regnen, welche nicht die Bedingung Allahs erfüllen. Das Besiegt-werden vom Feind ist einzig das Resultat der „Muslime“, welche nicht diese notwendige Bedingung erfüllen, ihr Mangel an richtiger ´Aqidah und das Fehlen ihrer Religion und ihre Zufriedenheit mit ausschließlich muslimischen Namen und mehr nicht.


Shaykh Salih Ibn 'Abdillah Al-Fawzan, hafidhahullah

Aus seinem Buch 'Durus min Al-Quran Al-Karim', Seite 5-11

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