Frage:
Fällt die Angst vor den Jinn in die natürliche Furcht, oder nicht?

Antwort:
Das Fürchten der Jinn; wenn es innere Angst ist und man daran glaubt, dass der Jinn einem nutzen oder schaden kann, dann fällt dies in Schirk.

{وَأَنَّهُ كَانَ رِجَالٌ مِّنَ الْإِنسِ يَعُوذُونَ بِرِجَالٍ مِّنَ الْجِنِّ فَزَادُوهُمْ رَهَقًا}
"Und (manche) Männer von den Menschen pflegten Zuflucht zu nehmen bei (einigen) Männern von den Jinn, doch mehrten sie so (bei) ihnen die Drangsal." (Surah Al-Jinn 72:6)

Und in den meisten Fällen fällt das Fürchten der Jinn in die Angst der Anbetung, weil man glaubt, durch die Jinn Schaden oder Nutzen zu erfahren, während niemand die Fähigkeit hat Schaden oder Nutzen herbeizuführen außer Allah, weder die Jinn noch die Menschen, wie der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) sagte: "Wisse, dass, wenn die Nation zusammenkommen würde, um dir mit etwas einen Nutzen zu verschaffen, so würden sie dir mit nichts nutzen, außer mit dem, was Allah bereits für dich vorgeschrieben hat. Und wenn sie zusammenkommen würde, um dir mit etwas einen Schaden zuzufügen, so wäre sie nicht in der Lage dir zu schaden, außer was Allah bereits gegen dich vorgeschrieben hat." [1]

Und der wahre Mu‘min fürchtet nichts, außer Allah (subhana wa ta'ala).
{فَلَا تَخَافُوهُمْ وَخَافُونِ إِن كُنتُم مُّؤْمِنِينَ}
"Fürchtet sie aber nicht, sondern fürchtet Mich, wenn ihr Mu'minin seid!" (Surah Al-i-Imran 3:175)

Das heißt die innere Angst, die Angst der Anbetung. Bezüglich der Angst vor einer Schlange, einem Löwe oder einer gefährlichen Person - also vor dem, was dich angreift und du nicht in der Lage bist dagegen standhalten zu können - dies ist eine natürliche Angst, welche nicht schädlich ist. Sie schadet nicht, inshaaAllah, und hat keinen Einfluss auf die Aqidah.

Allerdings baut die Angst vor den Jinn in den meisten Fällen auf einen fehlerhaften Iman auf. Der Gesandte (sallAllahu alayhi wa sallam) hat dir Waffen (d.h. Bittgebete zum Schutz) gegeben und dich gelehrt; Lies Ayat al-Kursi [2], Surah Al-Falaq [3] und Surah An-Nas [4], um geschützt zu werden. Das Dhikr Allahs (subhana wa ta'ala) bewahrt sich von ihnen (den Jinn). Nutze die Mittel, die dich vor ihnen und jeglichem Schaden schützt - sei es Schlangen, Skorpionen und anderes. (Rezitiere drei Mal am Abend:)

{عُوذُ بِكَلِمَاتِ اللَّهِ التَّامَّة مِنْ شَرِّ مَا خَلَقَ}
"Ich suche Zuflucht bei den vollkommen Worten Allahs vor dem Übel dessen, was Er erschaffen hat."

Wenn du dies sagst, wird sich dir nichts nähern (d.h. schaden), weder Jinn, noch eine Schlange, oder etwas anderes. Nichts wird dir (mit Allahs Erlaubnis) schaden, wenn du dies mit Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit getan ist. Möge Allah euch segnen.


Schaykh Rabi' ibn Hadi, hafidhahullah

Fataawa fi-l-Aqidah wa-l-Manhaj


[1] At-Tirmidhi, Hasan Sahih. Überliefert von ibn Abbas, dass als er auf dem Reittier hinter dem Propheten (sallAllahu alayhi wa sallam) saß, zu ihm sagte: "Mein Junge! Ich lehre dich einige Worte: Bewahre Allah, so wird Er dich bewahren. Bewahre Allah, dann wirst du Ihn bei dir finden. Wenn du irgendjemanden bittest, dann bitte Allah. Wenn du Hilfe suchst, dann suche Hilfe bei Allah. Und wisse, dass, wenn die Nation zusammenkommen würde, um dir mit etwas einen Nutzen zu verschaffen, so würden sie dir mit nichts nutzen, außer mit dem, was Allah bereits für dich vorgeschrieben hat. Und wenn sie zusammenkommen würde, um dir mit etwas einen Schaden zuzufügen, so wäre sie nicht in der Lage dir zu schaden, außer was Allah bereits gegen dich vorgeschrieben hat. Die Schreibfedern sind abgesetzt und die Tinte ist getrocknet."

In einer anderen Version, außer der bei At-Tirmidhi, heißt es: "Bewahre Allah, dann findest du Ihn bei dir. Lerne Allah kennen, solange du sorglos bist, dann kennt Er dich in der Not. Wisse, dass das, was dich verfehlte, dich nicht treffen sollte Und was dich trifft, sollte dich nicht verfehlen. Und wisse, dass der Sieg auf Seiten der Geduld ist, dass Trost mit Sorge und Not mit Erleichterung einher geht."

 [2] {اللَّـهُ لَا إِلَـٰهَ إِلَّا هُوَ الْحَيُّ الْقَيُّومُ ۚ لَا تَأْخُذُهُ سِنَةٌ وَلَا نَوْمٌ ۚ لَّهُ مَا فِي السَّمَاوَاتِ وَمَا فِي الْأَرْضِ ۗ مَن ذَا الَّذِي يَشْفَعُ عِندَهُ إِلَّا بِإِذْنِهِ ۚيَعْلَمُ مَا بَيْنَ أَيْدِيهِمْ وَمَا خَلْفَهُمْ ۖ وَلَا يُحِيطُونَ بِشَيْءٍ مِّنْ عِلْمِهِ إِلَّا بِمَا شَاءَ ۚ وَسِعَ كُرْسِيُّهُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ ۖ وَلَا يَئُودُهُ حِفْظُهُمَا ۚ وَهُوَ الْعَلِيُّ الْعَظِيمُ.}

"Allah - es gibt keinen anbetungswürdigen Ilah außer Ihm, Al-Hayy, Al-Qayyum. Ihn überkommt weder Schlummer noch Schlaf. Ihm gehört (alles), was in den Himmeln und was auf der Erde ist. Wer ist es denn, der bei Ihm Fürsprache einlegen könnte - außer mit Seiner Erlaubnis? Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen liegt, sie aber umfassen nichts von Seinem Wissen - außer, was Er will. Sein Kursi umfasst die Himmel und die Erde, und ihre Behütung beschwert Ihn nicht. Er ist Al-Aliy, Al-Adhim." (Surah Al-Baqarah 2:255)

 [3] {بِسْمِ اللَّـهِ الرَّحْمَـٰنِ الرَّحِيمِ
قُلْ أَعُوذُ بِرَبِّ الْفَلَقِ ﴿١﴾ مِن شَرِّ مَا خَلَقَ ﴿٢﴾ وَمِن شَرِّ غَاسِقٍ إِذَا وَقَبَ ﴿٣﴾ وَمِن شَرِّ النَّفَّاثَاتِ فِي الْعُقَدِ ﴿٤﴾ وَمِن شَرِّ حَاسِدٍ إِذَا حَسَدَ ﴿٥﴾}

"Sag: Ich nehme Zuflucht beim Herrn des Tagesanbruchs, vor dem Scharr (Übel) dessen, was Er erschaffen hat, und vor dem Scharr der Dunkelheit, wenn sie zunimmt, und vor dem Scharr der Knotenanbläserinnen (Zauberer) und vor dem Scharr eines (jeden) Neidenden, wenn er neidet."

  [4] { بِسْمِ اللَّـهِ الرَّحْمَـٰنِ الرَّحِيمِ

قُلْ أَعُوذُ بِرَبِّ النَّاسِ ﴿١﴾ مَلِكِ النَّاسِ ﴿٢﴾ إِلَـٰهِ النَّاسِ ﴿٣﴾ مِن شَرِّ الْوَسْوَاسِ الْخَنَّاسِ ﴿٤﴾ الَّذِي يُوَسْوِسُ فِي صُدُورِ النَّاسِ﴿٥﴾ مِنَ الْجِنَّةِ وَالنَّاسِ ﴿٦﴾}

"Sag: Ich nehme Zuflucht beim Herrn der Menschen, dem Malik (König) der Menschen, dem Ilah der Menschen, vor dem Scharr (Übel) des Einflüsterers, des Davonschleichers, der in die Brüste der Menschen einflüstert, von den Jinn und den Menschen."