Frage:
Wie lange wird der Dajjal auf Erden verweilen?

Frage:
Die Zeitspanne, die er auf Erden verbringt, umfasst nur vierzig Tage. Ein Tag jedoch gleicht einem Jahr, ein Tag gleicht einem Monat, ein Tag gleicht einer Woche und die übrigen Tage entsprechen unseren Tagen. So berichtete es der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam). Seine Gefährten sagten: „Oh Gesandter Allahs, genügen uns an diesem Tag, der einem Jahr entspricht, die Gebete eines Tages?“ Er sagte: „Nein, ihr müsst die Zeit schätzen und demgemäß das Gebet verrichten.“

Seht dieses Beispiel an, wie der Iman der Sahaba des Gesandten (sallAllahu alayhi wa sallam) diesem gegenüber beschaffen war, um daraus eine Lehre zu ziehen. Sie gingen nicht etwa daran, dessen Worte zu ändern oder zu interpretieren. Sie sagten nicht etwa, es sei doch unmöglich, dass ein Tag so lange dauere, denn die Sonne folge ihrer Bahn und ändere diese nicht. Der Tag erscheine nur wegen der vielen Bedrängnisse und deren Gewaltigkeit länger. Er erscheine länger, weil er voll Mühsal sei. Sie sprachen nichts dergleichen, so wie es einige tun, die Wissen vortäuschen, sondern sie glaubten fest daran, dass dieser Tag tatsächlich zwölf Monate dauern werde, ohne dass sie daran eine Änderung vornahmen oder interpretierten. So ist der wahrhaft Mu‘min. Er folgt dem, was ihm von Allah und dem Gesandten über das Verborgene berichtet wird, selbst wenn es seinem Verstand scheinbar widerspricht.

Du musst aber wissen, dass eine Mitteilung Allahs und des Gesandten (sallAllahu alayhi wa sallam) keineswegs etwas enthält, woran der Verstand verzweifelt, sondern etwas, worüber die Menschen mit ihrer unterschiedlichen Geisteskraft deswegen disputieren, weil ihr Verstand es nicht erfasst. So berichtete der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) dass "der erste der Tage des Dajjal einem Jahr entsprechen werde." Käme dieser Hadith den Späteren zu Ohren, jenen, die von sich meinen, sie seien vernünftig, würden sie sagen, dass die Länge dieses Tages im übertragenen Sinne zu verstehen ist und von der Anstrengung und Mühe herrühre. Denn Tage der Freude scheinen kurz, Tage der Mühsal aber lang.

Die Sahaba aber unterwarfen sich aufgrund ihrer aufrichtigen Gesinnung und Ergebenheit dem Gegebenen und sprachen auch demgemäß, dass nämlich Der, Der die Sonne schuf und sie 24 Stunden Tag und Nacht auf ihrer Bahn hält, genauso dazu fähig ist, sie diese Bahn in einem Zeitraum von 12 Monaten durchlaufen zu lassen. Denn der Schöpfer ist einer, der Mächtige, der Gewaltige und Er ist zu allem fähig. Darum stimmten sie den Worten des Propheten (sallAllahu alayhi wa sallam) zu. So fragten sie, wie sie beten sollten und nicht etwa über die Möglichkeit dieser Angelegenheit an sich, denn sie wussten, dass die Macht Allahs über ihre eigenen Fähigkeiten weit hinausreicht. Ihre Frage indessen richtete sich auf das religiöse Gesetz, zu dessen Beobachtung sie verpflichtet waren, nämlich auf das Salah. Das aber ist wahrhaftiger Gehorsam und wahre Unterwerfung. Sie sagten: „Oh Gesandter Allahs, genügen uns an diesem Tag, der einem Jahr entspricht, die Gebete eines Tages?“ Er sagte: „Nein, ihr müsst die Zeit schätzen und demgemäß das Salah verrichten.“
Preis sei Allah, dem Allmächtigen! Wenn du darüber nachdenkst, wird dir bewusst, dass diese Religion vollkommen ist. Es ist unmöglich auch nur ein Beispiel zu finden, dessen die Menschen bis zum Tage der Auferstehung bedürfen, ohne dass es für dieses auch eine Ursache gäbe. Wie ließ Allah die Sahaba sprechen, so dass sie diese Frage stellten? Allah ließ sie sprechen, damit die Religion vollkommen sei und keinerlei Vervollständigung mehr bedürfe. Bis heute brauchen die Menschen der Polargebiete, wo die Nacht sechs Monate andauert, und der Tag sechs Monate, diesen Hadith. Sieh dir an, wie der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) diese Rechtsentscheidung traf, noch bevor das Problem überhaupt aufgetreten war. Allah, Der Erhabene sagt in Seinem Buch:
{الْيَوْمَ أَكْمَلْتُ لَكُمْ دِينَكُمْ وَأَتْمَمْتُ عَلَيْكُمْ نِعْمَتِي}

„Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gunst an euch vollendet.“ (Surah Al-Ma’ida 5:3)

Bei Allah, würden wir diese Worte bedenken, würde uns bewusst werden, dass die Religion zu keiner Zeit irgendeine Mangelhaftigkeit enthält. Sie ist in jeder Hinsicht vollkommen. Die Mangelhaftigkeit aber liegt bei uns. Ob es nun eine Mangelhaftigkeit unseres Verstandes oder unseres Verstehens oder mangelnder Wille ist, lässt sich nicht feststellen. Der Mensch möchte gelegentlich, dass sein Wort allein gilt, und ist darum der Wahrheit gegenüber blind – wir bitten Allah um Lebenskraft. Würden wir Wissen, Verstehen und reine Absicht heranziehen, so würden wir erkennen, dass die Religion – aller Lobpreis gebührt Allah - keiner Vervollständigung bedarf. Wir würden erkennen, dass es unmöglich ist, irgendein Beispiel anzuführen, sei es nun groß oder klein, dessen Lösung nicht in Qur’aan und Sunnah zu finden wäre. Wenn jedoch die Begierden zunehmen und die Oberhand über die Menschen gewinnen, wird einigen von ihnen die Wahrheit verdunkelt, sie verbirgt sich vor ihnen. Tritt ein Ereignis ein, das in dieser Form bisher unbekannt war, wenn auch die Art des Ereignisses selbst bekannt ist, so siehst du, dass sie diesbezüglich mehr verschiedene Meinungen vertreten, als sich mit den Fingern ihrer Hände zählen lässt. Bei zwei denkbaren Ansätzen findet man zehn. Dies ist deswegen so, weil heute die Begierden den Menschen dominieren. Wäre die Absicht hingegen rein, das Verstehen ungetrübt und wäre breites Wissen vorhanden, so würde die Wahrheit klar zutage treten.

Wie auch immer, ich sage: Der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) berichtete, dass "der Dajjal 40 Tage auf Erden verweilen werde." Nach diesen 40 Tagen wird Masih ‘Isa (Jesus), der Sohn Maryams herabkommen, den Allah zu Sich erhob. In authentischen Ahadith heißt es: „Er kommt beim weißen Minarett im Osten von Damaskus herab. Seine Hände liegen auf den Flügeln zweier Engel. Wenn er den Kopf senkt, fließen Wassertropfen von diesem herab und wenn er ihn hebt, fallen Tropfen Perlen gleich. Jeder Kafir, den sein Duft erreicht, wird sterben.“

Das sind die Zeichen Allahs. ‘Isa (Jesus) wird den Dajjaal beim Tor von Ludd in Palästina erreichen und ihn dort töten. So wird er endgültig vernichtet. ‘Isa (alayhis-sallam) wird nur den Islam anerkennen, er wird die Jizyah nicht akzeptieren, das Kreuz zerbrechen und das Schwein töten und Allah allein wird angebetet werden. Darum ist die Jizyah, die der Islam zur Pflicht machte, zeitlich begrenzt und ihre Frist endet mit dem Kommen ‘Isas. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Gesetzgebung von ‘Isa stammt, denn der Gesandte (sallAllahu alayhi wa sallam) berichtete über diese, während er sie bestätigt. Die Aufhebung der Dschizya beim Kommen 'Isas entspricht der Sunnah des Propheten (sallAllahu alayhi wa sallam), denn seine Sunnah sind seine Worte, Taten und seine Billigungen. Die Tatsache, dass er über ‘Isa ibn Maryam bestätigend berichtet, bedeutet dass dies zu seiner Sunna gehört. Denn ‘Isa kommt nicht etwa mit einem neuen Gesetz, niemand wird mit einem neuen Gesetz kommen. Es gibt bis zum Tag der Auferstehung kein anderes als das Gesetz Muhammeds (sallAllahu alayhi wa sallam).
So verhält es sich mit dem Dajjal. Möge Allah uns vor seinen Fitan bewahren.


Schaikh ibn al-‘Uthaymiin, rahimahullah

Aus „Fatawa des ehrenwerten Gelehrten Muhammed ibn Salih al-Uthaymin“, Band 2

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