Frage:
Was ist der Ratschlag der Salaf bezüglich der frühen Erziehung des Kindes?

Antwort:
Du solltest wissen, dass das Kind eine Amaanah (anvertrautes Gut) an seine Eltern ist. Sein Herz ist wie ein unschuldiges Juwel, welches offen für jede Eingravierung ist. Wenn das Kind also in Rechtschaffenheit eingewöhnt wird, dann wird es sich darin entwickeln und wachsen, und seine Eltern und Vormünder werden mit ihm den Lohn eines frommen und rechtschaffenen Lebens teilen.

Ebenso verhält es sich, wenn das Kind an Übel gewöhnt wird, dann wird es darin aufwachsen - und die Sünde wird auf dem Vormund liegen. Deshalb muss der Vormund das Kind beschützen, disziplinieren und kultivieren. Er muss ihm edle Manieren beibringen, sowie es vor der schlechten Gesellschaft bewahren.

Der Vormund des Kindes sollte es nicht an Luxus gewöhnen und er sollte sicher gehen, dass das Kind sich nicht an die Wege und Mittel von Verschönerung und Reichtum klammert – ansonsten würde das Kind aufwachsen und sein Leben verschwenden, indem es nach solchen Dingen strebt.

Es ist vielmehr angemessen wenn der Vormund das Kind von klein auf leitet – deshalb sollte die Mutter (oder die Amme), welche das Kind stillt und es hütet, eine rechtschaffene und fromme Frau sein, welche sich nur von dem ernährt, was halal ist -  denn tatsächlich beinhaltet die Milch, welche eine Mutter produziert, nachdem sie sich von Verbotenem ernährt hat, keinen Segen!

Fortan wird das Kind anfangen zu denken, zu unterscheiden, und das erste Zeichen davon ist das Empfinden von Schüchternheit. Diese Schüchternheit ist ein exzellenter Messgegenstand dafür dass sich das Gemüt und der Verstand anfangen zu entwickeln, bis es sich dem Alter der Pubertät nähert. Dem Kind muss also durch seine Schüchternheit geholfen werden, es muss diszipliniert und ihm müssen gute Manieren beigebracht werden.

Wenn sich die ersten Anzeichen seines Appetits nach fester Nahrung ankündigen, sollten ihm die Manieren des Essens beigebracht werden und manchmal sollte man ihm einfach nur Brot zu essen geben [1], so dass es sich nicht an die Beilagen gewöhnt und sie als notwendig erachtet. Auch sollte ihm das Überessen als unerwünscht erklärt werden, ebenso das dies dem Fressen von Tieren ähnelt.

Dem Kind (Jungen) sollte beigebracht werden, saubere, weiße Kleidung - im Gegensatz zu schmutziger oder seidener Kleidung - zu bevorzugen. Man soll ihm beibringen, dass seidene Kleidung nur von Frauen und weibischen Männern getragen wird. Das Kind sollte auch davon abgehalten werden sich mit solchen Kindern zu mischen, die sich an Luxus gewöhnt haben.

Danach wird das Kind mit der Schule (Islamschule in einem islamischen Land) beschäftigt sein. Es lernt den Qur’aan, die Ahadith und es werden ihm Beispiele von rechtschaffenen Menschen gelehrt, so dass die Liebe zu den Rechtschaffenen sich in sein Herz eingraviert. Außerdem sollte es daran gehindert werden, Poetik, die von Liebe und Romantik erzählt, zuzuhören oder sie gar auswendig zu lernen. Ähnlich diesem – oder in der Tat noch destruktiver -  ist die Existenz von Musik und Filmen mit solchem Inhalt, die sich unglücklicherweise in vielen muslimischen Häusern verbreitet haben.

Wann immer das Kind eine schöne Charaktereigenschaft aufweist oder eine gute Tat, sollte es geschätzt und mit etwas, das ihm gefällt belohnt werden. Auch sollte es vor anderen Menschen dafür gelobt werden.

Wenn es jedoch das Gegenteil tut (eine böse Tat), kann es zeitweise übersehen, und sollte  nicht entblößt werden. Wenn es aber hartnäckig daran festhält, muss es im Geheimen gewarnt und dazu gebracht werden, sich davor zu fürchten, dass andere Leute dies herausfinden könnten. Jedoch sollte das Kind nicht zu oft gewarnt und diszipliniert werden (also nicht für jeden kleinen unbedeutenden Fehler), da diese Art von Behandlung ihn daran gewöhnen kann, getadelt und gerügt zu werden -  vielmehr sollte der Vormund sich dabei zügeln, drohend mit dem Kind zu sprechen.

Es ist auch angemessen, wenn die Mutter das Kind mittels dem Vater diszipliniert (indem sie das natürliche Ansehen, die Autorität und Furcht vor dem Vater nutzt).

Das Kind sollte daran gehindert werden, während des Tages zu schlafen, da dies in Faulheit resultiert und es sollte nicht daran gehindert werden, während der Nacht zu schlafen. Es sollte ihm keine weiche Matratze gegeben werden, so dass seine Knochen und Muskeln stark werden. Es ist angemessen, dass es sich an Rauheit bezüglich seinem Essen (Grobkörnigkeit, Vollwertnahrung), seiner Kleidung und seinem Schlaf gewöhnt. Es sollte sich auch an Laufen, Training und sportliche Betätigung gewöhnen, damit es nicht von Faulheit überwältigt wird.

Dem Kind wird beigebracht, nicht vor seinen Freunden anzugeben, mit dem was seinen Eltern gehört, oder bezüglich seinem Essen und seiner Kleidung. Vielmehr wird es zu Bescheidenheit erzogen und dazu, freundlich und großzügig zu jedem zu sein, mit dem es eine Beziehung hat. Und es wird daran gehindert von einem anderen Kind etwas wegzunehmen. Ihm sollte beigebracht werden, dass Minderwertigkeit darin besteht, zu nehmen und dass Überlegenheit  und Würde darin besteht zu geben. Und es sollte dazu gebracht werden, Gold und Silber nicht zu mögen.

Es sollte ihm verboten werden, in Versammlungen zu spucken, sich die Nase zu schnäuzen, vor anderen zu gähnen und die Beine übereinander auszustrecken.

Es sollte auch daran gewöhnt werden, wenig zu reden und nicht zu sprechen, außer zum Beantworten einer Frage oder um einen Auftrag zu erfüllen. Es sollte auch die Kunst beherrschen, anderen aktiv zuzuhören, wenn sie sprechen, besonders wenn derjenige, der spricht, älter als es selbst ist. Es wird ihm beigebracht für denjenigen einzustehen, welcher Autorität über ihn hat und bei, neben ihm oder vor dieser Person zu sitzen.

Es wird daran gehindert, unzüchtige Reden zu führen und wird von Menschen fern gehalten, die solche Reden führen -  denn in der Tat liegt die Quelle des Beschützens eines Kindes darin, es von schlechten Freunden fern zu halten.

Es gehört auch zu einer guten Übung, das Kind nach Beendigung seiner Lernzeit/Hausaufgaben/Schulzeit, auf gute Weise spielen zu lassen, so dass es sich von den Strapazen des Lernens und der Strenge und Disziplin ausruhen kann. Es wurde gesagt: „Entspanne das Herz und den Geist; stärke das Auswendiglernen und den Intellekt!“

Das Kind sollte darin ausgebildet werden, seinen Eltern und Erziehern Gehorsam entgegen zu bringen und es sollte sie ehren.

Wenn es das Alter von 7 Jahren erreicht, sollte es zum Gebet angehalten werden und es wird nicht entschuldigt, wenn es kein Wudu hat (indem es lernt darauf zu achten, nur im rituell reinen Zustand zu beten), so dass es sich daran gewöhnt. Es sollte auch streng gemaßregelt werden im Falle von Lügen und Betrug. Und wenn es die Pubertät erreicht, sollte es alle verschiedenen Regeln des Islam beigebracht bekommen und für sie zur Verantwortung gezogen werden.

Du solltest wissen, dass Nahrung eine Art der Medizin ist und der Sinn hinter dem Essen ist, den Körper zu stärken um Gehorsam gegenüber Allah zu zeigen, durch die Anbetung. Dieses weltliche Leben wird nicht für immer existieren und der Tod wird die Genüsse der Welt beenden. Der Tod erwartet jede Person und kann sich jede Stunde einfinden. Daher ist der Intelligente derjenige, welcher sich für das Jenseits vorbereitet.

Wenn die Erziehung des Kindes rechtschaffen ist, dann wird dies alles fest in seinem Herzen verankert sein -  genauso wie eine Gravierung in Stein sehr stabil sein wird.

[...]


Schaikh Ibn Qudaamah al-Maqdisi, rahimahullah

 

[1] Ich fragte Schaykh Abdul Razzaq Al-Abbad (möge Allah ihn bewahren) bezüglich dieser Aussage und anderen Aussagen dieses Artikels, die ähnlich sind. Er sagte, dass es keine klaren Beweise von Qur’aan und Sunnah dazu gibt, jedoch zieht man die Situation des Kindes in Betracht und schaut dann, was ihm nutzen wird. Wenn also am Kind eine übertriebene Vorliebe für Essen bemerkt wird, dann könnte man manchmal diese Maßnahme ergreifen.
Ebenso verhält es sich mit  der Aussage bezüglich der Rauheit an Essen, Kleidung und Schlaf, so kann man dies manchmal  tun, um dem Kind  beizubringen, dass der Segen von Essen, Kleidung und Schlaf nicht für immer anhalten wird und dass es sich für einen Muslim nicht ziemt, sich zuviel damit zu befassen. Der Muslim sollte dankbar für die Gnaden Allahs sein, aber sein Herz sollte sich nicht zu sehr daran klammern.

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