Allah sagt in der Sure al-Mutaffifin, in folgender ungefährer Übersetzung:
„1) Wehe den das Maß Kürzenden,
2) Die, wenn sie sich von den Menschen zumessen lassen, sich volles Maß geben lassen,
3) Wenn sie ihnen aber zumessen oder wägen, Verlust zufügen.
4) Glauben jene nicht, dass sie auferweckt werden
5) Zu einem gewaltigen Tag,
6) Am Tag, da die Menschen sich um des Herrn der Weltenbewohner willen aufstellen werden?“

Scheikh Uthaymin sagt in Bezug auf die Erklärung der Sure al-Mutaffifin: „(Wehe) Das Wort „Wehe“ wird im Qur’aan viele Male widerholt und nach der richtigen Meinung ist es eine Aussage der Drohung, durch die Allah diejenigen bedroht, die Seinen Befehlen zuwider handeln oder sich mit dem beschäftigen, das Er ihnen verboten hat, zu tun. Das Verbot wird in dem Satz erwähnt, welcher der Drohung folgt.

Allah sagt also in dem Fall: „Wehe den Mutaffifin (den das Maß Kürzenden)“! Wer sind diese „Mutaffifun“?
Diese „Mutaffifun“ werden im nächsten Satz erklärt. Er sagt: „Die, wenn sie sich von den Menschen zumessen lassen, sich volles Maß geben lassen, wenn sie ihnen aber zumessen oder wägen, Verlust zufügen.“

„Die, wenn sie sich von den Menschen zumessen lassen, sich volles Maß geben lassen“
Wenn sie von den Menschen das kaufen, das gewogen werden muss, verlangen sie von ihnen ihr volles Recht ohne irgendwelche Verluste.

„Wenn sie ihnen aber zumessen oder wägen, Verlust zufügen“
Aber wenn sie selbst wiegen oder diejenigen sind, die das gewogene Fleisch verkaufen oder etwas verkaufen, das gewogen wird, geben sie ein Gewicht, das weniger ist.

„Verlust zufügen“
Sie verlangen also ihr volles Recht, aber fügen Verlust zu, wenn sie anderen ihre Rechte geben sollen. Sie kombinieren also zwei Angelegenheiten: Habgier mit Geiz!
Habgier dabei, seine vollen Rechte zu verlangen ohne Nachsicht und Vergebung und Geiz, indem er dem anderen nicht das volle Maß gibt, welches für ihn verpflichtend wäre.

Dieses Beispiel, welches Allah, Der Erhabene bezüglich dem Wiegen und Abmessen erwähnt, ist nur ein Beispiel. Deshalb bezieht es sich auf alles, das dem gleicht. Jeder also, der seine vollen Rechte verlangt, wenn er in der Situation des Rechte-Empfangens ist, aber dem anderen nicht die vollen Rechte gibt, wenn sie von ihm verlangt werden, ist in diesen edlen Versen mit inbegriffen.

Ein Beispiel ist das des Ehemannes, der von seiner Frau verlangt, dass sie ihm alle seine Rechte gibt, ohne nachsichtig bei irgendwelchen, seinen ihm zustehenden Rechten zu sein. Aber wenn er zu seiner Ehefrau kommt und es Zeit ist, dass sie ihre Rechte bekommt, dann ist er nachlässig und desinteressiert und gibt ihr nicht, was ihr zusteht. Es gibt so viele Beschwerden von Frauen über diese Art von Ehemännern! Und bei Allah suchen wir unsere Zuflucht!

Zu dem Ausmaß, dass viele Ehemänner von ihren Ehefrauen all ihre Rechte verlangen, wobei sie aber ihren Ehefrauen nicht alle ihre Rechte geben. Und sehr wahrscheinlich kommen diese Ehemänner nicht mal den fundamentalen Rechten ihrer Ehefrauen nach, wie für sie finanziell aufzukommen (sie zu ernähren) und mit ihnen in Güte und Liebenswürdigkeit zu leben und vieles andere mehr.

Wahrlich, eine Person zu unterdrücken ist schwerwiegender als sich selbst in Bezug auf die Rechte Allahs zu unterdrücken. Denn die Person, welche sich in Bezug auf die Rechte Allahs selbst unterdrückt (also jemand, der die Rechte Allahs nicht erfüllt) ist unter dem Willen Allahs, wenn es eine Sünde ist, die geringer als der große Schirk ist. Wenn Allah will, wird Er dieser Person vergeben, und wenn Er will, wird Er sie bestrafen.

Aber was die Rechte der Menschen angeht, muss es eine Vergeltung (Ausgleich) geben! Aus diesem Grund fragte der Prophet (sallAllahu alaihi wassallam) seine Gefährten, wen sie für eine arme, ruinierte Person halten. Sie antworteten: „Derjenige, welcher keine Mittel oder irgendwelche Besitztümer hat.“

Abu Hurairah überlieferte daß der Gesandte (sallAllahu alaihi wassallam gesagt hat:
"Wißt ihr wer arm ist?" Die Sahaba (seine Gefährten) antworteten: "Eine arme Person ist unserer Meinung nach, eine Person, die kein Geld hat." Aber er (sallAllahu alaihi wassallam sagte: "Ein armer Mensch unter meiner Umma ist jemand, der dem Jüngsten Tag mit guten Taten in der Größe eines hohen Berges begegnet, während er seine Gebete immer verrichtete, Zakat gezahlt und gefastet hatte, aber er hat die Menschen unterdrückt, jemanden beleidigt, jemanden verleumdet, jemandes Geld missbraucht, jemandes Blut vergossen und jemanden geschlagen! Jedem von ihnen werden ein paar seiner guten Taten gegeben. Sollte er nicht genügend gute Taten haben wird er (der Arme) ihre Sünden bekommen. Dann wird er ins Feuer geworfen!" (Muslim)

Deshalb ist mein Rat an all diejenigen, welche nachlässig und gleichgültig gegenüber den Rechten und Bedürfnissen ihrer Ehefrauen sind, Allah, den Allmächtigen und Majestätischen zu fürchten! Denn der Prophet (sallAllahu alaihi wassallam) befahl dies und gab den Menschen den Rat, die Rechte der Ehefrauen zu erfüllen und sie gut zu behandeln. Und dies während der größten Versammlung, die die islamische Welt zu seinen Lebzeiten erlebt hat, am Tag von ´Arafat, während der Abschiedspilgerfahrt.

Er sagte: „Fürchtet Allah in Bezug auf eure Ehefrauen, denn wahrlich, ihr nahmt sie in einem Treuhandverhältnis von Allah und es ist euch erlaubt, durch das Wort Allahs, mit ihnen intim zu werden.“


Scheikh Uhtaymin

Aus seinem Tafsir zur Sura al-Mutaffifin

Zusammenfassende Übersetzung, entnommen aus: ibnothaimeen.com/all/books/article_17867.shtml

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