Frage:
Was ist das Urteil bezüglich einem Mann, der zwei Frauen hat, und ihnen gegenüber ungerecht ist?
Antwort:
Wenn eine Frau eine Nebenfrau hat, so ist es für den Ehemann Pflicht (wajib), gegenüber seiner ersten und zweiten Frau gerecht zu handeln und ihnen jeglichen Unterhalt ebenbürtig zu leisten: (d.h.) von Essen und Trinken, Kleidung, Wohnung bis zu ihrem Recht im (Ehe-)Bett. Er darf sie diesbezüglich nicht ungerecht behandeln, denn Allah, der Erhabene, sagt:
{فَإِنْ خِفْتُمْ أَلَّا تَعْدِلُوا فَوَاحِدَةً أَوْ مَا مَلَكَتْ أَيْمَانُكُمْ ذَلِكَ أَدْنَى أَلَّا تَعُولُوا}
„Wenn ihr aber befürchtet, (sie) nicht gerecht zu behandeln, dann (heiratet nur) eine oder was eure rechte Hand (an Sklaven) besitzt.“ (Surah An-Nisa 4:3)

Der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) sagte:
{مَنْ كَانَتْ لَهُ امْرَأَتَانِ يَمِيلُ لِإِحْدَاهُمَا عَلَى الأُخْرَى جَاءَ يَوْمَ الْقِيَامَةِ يَجُرُّ أَحَدَ شِقَّيْهِ سَاقِطًا أَوْ مَائِلًا}
„Wer zwei Frauen hat und die eine gegenüber der anderen bevorzugt (auch: begünstigt), wird am Jüngsten Tag mit einer schrägen (Körper-)Hälfte ankommen.“ [1]

So befindet sich in dem Hadith der Beweis für das Verbot, eine Frau der anderen in den ehelichen Rechten vorzuziehen, welche unter seinen Möglichkeiten und seinem Besitz sind. Dabei ist es egal ob beide Muslimaat sind oder eine Muslima und die andere Christin oder Jüdin ist. Ibn Mundhir rahimahullah sagte: “Und die Gelehrten sind sich einig, dass die Aufteilung zwischen einer Muslima und einer Jüdin/Christin gleich ist.” Der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) empfahl uns ebenso, die Frauen gutmütig zu behandeln. Er sagte:
{خَيْرُكُمْ خَيْرُكُمْ لِأَهْلِهِ، وَأَنَا خَيْرُكُمْ لِأَهْلِي}
„Der Beste unter euch, ist derjenige, der am besten zu seinen Frauen ist, und ich bin der Beste zu meinen Frauen.“ [2]

Neben der Verpflichtung sie gerecht zu behandeln, sollte er mit ihnen gefällig und gütig umgehen, entsprechend den Worten Allahs:
{إِنَّ اللَّهَ يَأْمُرُ بِالْعَدْلِ وَالْإِحْسَانِ}
„Allah gebietet gerecht und gütig zu sein“ (Surah An-Naml 16:90)

Und Der Gespriesene sagt:
{وَعَاشِرُوهُنَّ بِالْمَعْرُوفِ}
„Und geht in rechtlicher Weise mit ihnen um.“ (Surah An-Nisa 4:19)

Diese gehören zu den Rechten, welche die Frau gegenüber ihrem Ehemann hat.
Nachdem dies gesagt ist, gehört auch das Schlafen im selben Bett zu den Rechten gegenüber der Ehefrau, auch wenn es zu keinem Geschlechtsverkehr kommt, denn es gibt unter den Gelehrten Konsens (Ijma‘), dass die Gleichbehandlung bezüglich dem Geschlechtsverkehr nicht verpflichtet ist [3], da letzteres von der Lust, Liebe und Neigung abhängig ist. Daher ist es nicht möglich, sie in Bezug auf den Geschlechtsverkehr gleich zu behandeln, da das Herz des Mannes natürlicherweise (mehr) zu einer von ihnen neigt. Aus diesem Grund sagte der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam), als er über die ihm meist geliebte Person gefragt wurde: {عَائِشَةُ} „Es ist Aischa“ [4]
 
 
Schaykh Muhammad ‘Ali Farkuus
 
Fatawa Shaykh Muhammad Ali Farkuuz; Kategorie: Ehe; Fatwa Nr. 173
Algier, 9. Dhu Al-Hijja, 1426 n.H. (9. January 2005 n.Chr.)
 
 
Übersetzt von Abu Abdul Majiid, überarbeitet von Seyyid Abu Abdillah

[1] Berichtet von Abu Hurayrah (radiya-llahu anhu) in: Abu Dawud, Nr 2135; Ibn Majah, Nr. 2045; Ahmad, Nr. 8156; Sunan ad Daarimi, Nr. 2261; Al Bayhaqi, Nr. 15135; von al Albani als sahih eingestuft in Irwaa’ al Ghaliil 7/80, 2017.
[2] Berichtet von Aischa (radiya-llahu anhu) in: At Tirmidhi, Nr. 4269; Ad Daarimi, Nr. 2315; Al Bayhaqi, Nr. 16117. Und von Ibn Abbaas (radiya-llahu anhu) berichtet in: Ibn Maajah, Nr. 2053; von al Albani als sahih eingestuft in: Sahih Al-Jaami`, Nr. 3314; As-Silsila As-Sahiha, Nr. 285 und Adaab Az-Zifaaf, S. 197.
[3] Siehe Al-Mughni von Ibn Qudaama, 9/618.
[4] Berichtet von `Amr Ibn Al-`Aas (radiya-llahu anhu) in: Al Bukhaari, Nr. 3662; Muslim, Nr. 6328; At Tirmidhi, Nr. 4259 und Ahmad, Nr. 18286.

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