Frage:
Ich bin eine verheiratete Frau; mein Mann ist französischen Ursprungs und hat die französische Staatsangehörigkeit. Er trat vor unserer Eheschließung zum Islam über, und glaubte an all die islamischen Anforderungen, sowohl in Wort als auch in Tat. Nach drei Jahren Ehe jedoch, wendet er nichts von dem an, an das er geglaubt hat.

  • Wird er als Muslim betrachtet?
  • Ist es mir erlaubt eine Trennung von ihm zu verlangen, mit dem Wissen, dass wir eine gemeinsame Tochter haben?

Antwort:
Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten. Friede und Segen seien auf demjenigen, der als Gnade für die Welt entsandt wurde und auf seiner Familie, seinen Gefährten und allen, die ihrem Beispiel folgen bis zum Tage des Gerichts.

Wahrlich, die erste Pflicht für eine rechenschaftspflichtige Person (Mukallif) ist die Schahaadah - das Glaubensbekenntnis des Muslims: „Es gibt keinen (zurecht anbetungswürdigen) Gott außer Allah, und Muhammad ist Allahs Gesandter“. Der Sprecher dieses Glaubensbekenntnisses ist äußerlich Muslim, und dazu aufgefordert, gottesdienstliche Handlungen durchzuführen sowie schlechte Taten und (Allahs) Verbote zu meiden. Seine Aufrichtigkeit Allah gegenüber sollte sich in Ergebenheit (Allah gegenüber) und Gehorsam widerspiegeln.

Wenn ein Ungläubiger (Kafir) zum Islam übertritt ist es verpflichtend Ghusl (große rituelle Ganzkörperwaschung) durchzuführen, und (wenn männlich) sich beschneiden zu lassen, selbst wenn er schon alt ist. Al-Bukhari berichtete, dass der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) sagte:

{اخْتَتَنَ إِبْرَاهِيمُ خَلِيلُ الرَّحْمٰنِ بَعْدَمَا أَتَتْ عَلَيْهِ ثَمانونَ سَنَةً، وَاخْتَتَنَ بالقَدُومِ}

“Ibrahim, der enge Freund des Allbarmherzigen, beschnitt sich selbst mit einer Axt im Alter von 80 Jahren.” (Bukhari, Kapitel: Die Propheten)

Genauso muss er all die Pflichten erfüllen, die einem Muslim auferlegt sind, bezüglich der Grundlagen des Glaubens (Aqaa‘idul-Imaan), der Grundregeln (Qawaa’id) des Islams, und des Verrichtens guter Taten (Ihsaan). Wenn er das nicht weiß, so ist es für ihn verpflichtend (waajib), die Dinge zu lernen, mit denen er seinen Glauben (Aqidah), seine gottesdienstlichen Handlungen (Ibadaat) und sein Benehmen korrigieren kann, so dass er diese korrekt durchführt. Tut er dies, so ist er wahrlich mit dem Schahaadah (Glaubensbekenntnis) vorgetreten, das er ausgesprochen hat. Im Besonderen jene versteckten Taten mit den Körperteilen, wie das Gebet, die Pflichtabgabe (Zakah), die Pilgerfahrt (Hajj) und andere Zweige des Glaubens (Imaan), die auf Taten des Herzen basieren und ….ولازمة لها
 
Wer Verpflichtungen vernachlässigt, der ist, nach der Meinung der Leute der Sunnah, ein Gläubiger (Mu’min) in seinem Imaan (Glauben), doch ein Frevler (Faasiq) aufgrund seines Ungehorsams. Wer jedoch alle Taten vernachlässigt ist kein Muslim, da es keinen Glauben gibt ohne Taten. In der Scharia gibt es keinen Glauben, dem keine Taten gegenüberstehen (folgen). So etwas kann nur in jemandem vorkommen, dessen Herz voll Heuchelei ist, und nicht in einem mit reinem Glauben erfüllten Herzen. Wenn jemand seinen Glauben ausspricht ohne dies mit den erforderlichen Handlungen zu unterstützen, so wird er als Ungläubiger (Kafir) betrachtet. Wenn er jedoch verkündet, Glauben zu haben und die erforderlichen Handlungen durchführt ohne dabei eine aufrichtige Absicht dahinter zu haben, so wird er als Heuchler betrachtet. Wenn er weiterhin daran festhält die Verpflichtungen und guten Taten in Bezug auf gottesdienstliche Handlungen zu unterlassen, nachdem er Kenntnis darüber erlangt hat, so wird er als Abtrünniger (Murtad) vom Islam betrachtet, wir suchen Zuflucht bei Allah davor.

Die Beziehung zwischen den Eheleuten wird ungültig und ebenso die Rechte, die dadurch entstehen, wie das Erbrecht, Vormundschaft, etc. Unter diesen Umständen ist es der Frau nicht erlaubt bei ihm zu bleiben, solange er unverbesserlich ist, da der Abtrünnige (Murtad) keine Religion hat. Der Abfall vom Glauben verlangt eine Trennung von Mann und Frau, und dies wird als 'Aufhebung der Ehe', und nicht als 'Scheidung' betrachtet. Der Abtrünnige hat eine andere Regelung: Al-Qurtubi (Tafsir Al-Qurtubi 72/3) erwähnt den Konsens (Ijmaa) der Großgelehrten, dass ein Götzendiener (Muschrik) nicht eine gläubige Frau heiraten kann aufgrund seines Mangels an Islam:

{وَلاَ تُنكِحُواْ الْمُشِرِكِينَ حَتَّى يُؤْمِنُواْ}

„Und verheiratet nicht (gläubige Frauen) mit Götzendienern, bevor sie glauben.“ (Surah Al-Baqarah 2:221)

{لاَ هُنَّ حِلٌّ لَّهُمْ وَلاَ هُمْ يَحِلُّونَ لَهُنَّ}

„Weder sind sie ihnen (zur Ehe) erlaubt, noch sind sie ihnen (diesen Frauen) erlaubt.“ (Surah Al-Mumtahinah 60:10)

Dies bedeutet, dass eine Muslima keinem Kafir erlaubt ist, und ist es einem Gläubigen nicht erlaubt eine Götzenanbeterin zu heiraten.

Es ist angebracht darauf hinzuweisen, dass man anfangs bei dem Übertritt eines Kafirs in den Islam Vorsicht walten lassen sollte; man sollte ihn beobachten, um seine guten Absichten und seinen guten Willen zu sehen. Die Aufrichtigkeit seines Glaubens wird offenkundig durch die Durchführung der Symbole des Islam, wie das Verrichten des Gebets, das Zahlen der Pflichtabgabe sowie andere gottesdienstliche Handlungen. Man sollte ihm stets mit Rat, Anführungen und Erklärung zur Seite stehen.

Und das perfekte Wissen ist Allahs. Unser Gebet und alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten. Allahs Salah und Salam seien auf unserem Propheten, seiner Familie, seinen Gefährten und Brüdern bis zum Tage der Auferstehung.


Schaykh Muhammad ‘Alii al-Farkuus, hafidhahullaah

Algier, 26. Djumada Al Ula Schawwal 1421 n.H. / 26. August 2000
Aus der offiziellen Webseite des Schaykhes, Fataawa al-Usra, Nr. 762
 

Übersetzt von Umm Khadidja

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