Frage:
Es geht im Prinzip um eine Sache, die auch unter den Salafis weit verbreitet ist. In Deutschland gibt es etwas, das man Harz 4 nennt. Die Leute nehmen vom Jobcenter Geld, aber gehen nebenbei arbeiten und betrügen somit den Staat. Sie behaupten: „Es ist nicht so schlimm, wenn man den Staat betrügt.“ Ist dieses Geld haram (verboten)?
Und wenn mit diesem Geld z.B. die Hajj verrichtet wird, wird diese dann nicht anerkannt? Sie behaupten, dass es „nicht so schlimm“ wäre, haben sie damit recht?

Antwort:
MaschaaAllah (ironisch), das ist Betrug! Das ist sogar ein gewaltiger Betrug! Alles, was du auf dem Wege des Betruges und des Lügens nimmst, ist nicht erlaubt. Denn der Staat gibt diese Gelder als Schenkung (Hibbah) aus. Dieses Geld wird bei uns in der Scharia als Schenkung (Hibbah) bezeichnet. Es ist eine Schenkung, seitens des Staates, doch hat der Staat diese mit einer Auflage verbunden. Wer ist hier nur der Schenker? Der Staat! Dabei ist die Auflage des Schenkens von größter Bedeutung und darüber herrscht Konsens unter allen Gelehrten.

Wenn der Schenker, egal wer es ist, diese Schenkung mit einer Auflage verbindet dann ist seine Auflage von größter Bedeutung und hierüber herrscht Konsens unter allen Gelehrten. Das bedeutet also, dass Konsens unter allen Gelehrten herrscht! Der Staat gibt diese Schenkung mit der Auflage, dass, wenn du diese Schenkung und diese Hilfe annimmst, du keine Beschäftigung haben darfst. So ist es doch, oder?

Antwort der Fragenden:
Ja!

Der Schaikh sagte weiter:
Sie nennen das Arbeitslosengeld. Das gibt es auch bei uns, in Kuwait. Derjenige, der keine Beschäftigung hat, geht zum Staat und gibt an, dass er arbeitslos ist. Der Staat sagt zu ihm: „Solange du keine Beschäftigung hast, bekommst du eine monatliche Schenkung von der Regierung, doch die Auflage dabei ist, dass du arbeitslos sein musst.“ Somit ist die Auflage des Schenkers von größter Bedeutung. Wenn diese Auflage nicht mehr erfüllt ist, ist auch die Schenkung nicht mehr zulässig. Denn ansonsten würde diese Person stehlen und Gelder an sich nehmen, welche ihr nicht zustehen. Und das ist verboten!

Wenn du dieses verbotene Geld für dich ausgibst, dann sind deine Speisen und Kleidungsstücke, welche du damit gekauft hast, ebenfalls verboten. Und was sagen dann die Engel zu dir, wenn du mit diesem Geld die Hajj verrichtest? Wenn du in der Hajj sagst: „Labbaik Allahumma labbaik.“ (Hier bin ich, oh Allah hier bin ich, um Deine Aufforderung zu befolgen), antworten die Engel darauf: „Weder folgst du Seiner Aufforderung, noch wirst du gesegnet sein und deine Pilgerfahrt bekommst du abgelehnt!“

Frage:
Jemand könnte sagen, dass diese Beschäftigung, der er gerade nachgeht nicht ausreicht. Vor allem, wenn er eine Familie hat, für die er sorgen muss.

Antwort:
Dann musst du die Auflage des Schenkers stets berücksichtigen! Seine Auflage ist, dass du keine Beschäftigung haben darfst. Hast du eine Beschäftigung, die nicht ausreicht, dann informiere sie darüber. Dieses Gesetz gibt es auch bei uns, in Kuwait. Sie geben dir dann zu deinem Lohn etwas dazu, sodass es ausreicht. Doch dass du diese Schenkung nimmst und die Auflagen (welche daran gebunden sind) missachtest, ist nicht legitim!

Zudem ist dies eine Charaktersache. Gehen wir davon aus, das sie es nach einem oder auch nach fünf Monaten herausfinden. Sie finden heraus, dass du Unterstützung bekommst, aber gleichzeitig nebenbei arbeiten gehst. Was werden sie dann wohl zu dir sagen, etwa: „gut“? Sie werden sagen: „Ah wieder ein Muslim, dieser Lügner!“ Somit hast du Schaden über deine Religion, über die Muslime und dich selbst gebracht! So etwas darf niemals sein! Die Auflagen dieses Schenkers sind von größter Bedeutung. Hierüber herrscht Konsens unter allen Gelehrten. Wenn der Schenker diese Schenkung mit einer Auflage verbindet, dann muss seine Auflage erfüllt werden! Du darfst diese Auflage deinerseits nicht ändern.


Schaikh Falah Bin Isma'il Mandakar, hafidhahullah

Aus einer Audioaufnahme des Schaykhes, die in Deutschland gemacht wurde

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