Zina (Ehebruch, Unzucht)

Definition

Die Gelehrten haben Zina wie folgt definiert: Der illegale Geschlechtsverkehr in der Vagina oder dem Anus.

 

Die Strafe für Zina laut Schari’ah [1]

Wenn Der Täter von illegalem Geschlechtsverkehr, ob weiblich oder männlich, verheiratet ist und mündig ist, wird er zu Tode gesteinigt. Die Steinigung war als Vers im Qur’aan enthalten und wurde dann abrogiert, jedoch nur ihre Ayah, nicht ihr Urteil, da dieses von der Sunnah weiterhin bekräftigt, bestätigt und angewandt wurde. Die verheiratete Person, welche aufgrund von Zina (Ehebruch) gesteinigt wird, muss folgende Bedingungen in der Ehe erfüllen, damit die Steinigung in einem islamischen Land ihre Anwendung finden kann:

  1. Der Geschlechtsverkehr muss in der Vagina stattfinden.
  2. Er muss in einer gültigen Ehe stattfinden.
  3. Beide der Ehepartner müssen erwachsen, bei Verstand und frei sein.

Die verheiratete Person wird gesteinigt, weil sie schon verheiratet war, vertraut mit der Abstinenz von illegalem Geschlechtsverkehr und dem Weg sich vor illegalem Geschlechtsverkehr zu schützen. Sie weiß, wie man sich davor schützen kann (durch die Ehe), deshalb gibt es für sie keine Entschuldigung.

Die unverheiratete Person dagegen, welche Zina (Unzucht) begangen hat, wird mit 100 Peitschenhieben bestraft, weil ihre Situation eine ist, die eine Art der Entschuldigung besitzt, da sie noch nicht verheiratet war und somit keinen Schutz (gegen ihren Trieb) hatte. Deshalb wird ihr Leben gerettet, aber sie wird trotzdem auf die schlimmste Weise am gesamten Körper ausgepeitscht. Der Beweis:

{الزَّانِيَةُ وَالزَّانِي فَاجْلِدُوا كُلَّ وَاحِدٍ مِّنْهُمَا مِائَةَ جَلْدَةٍ ۖ وَلَا تَأْخُذْكُم بِهِمَا رَأْفَةٌ فِي دِينِ اللَّـهِ إِن كُنتُمْ تُؤْمِنُونَ بِاللَّـهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ ۖ وَلْيَشْهَدْ عَذَابَهُمَا طَائِفَةٌ مِّنَ الْمُؤْمِنِينَ}

„Eine Frau und ein Mann, die Unzucht begehen, geißelt jeden von ihnen mit hundert Hieben. Laßt euch nicht von Mitleid mit ihnen beiden angesichts (der Rechtsbestimmungen) der Religion Allahs ergreifen, wenn ihr an Allah und den Jüngsten Tag glaubt. Und es soll bei (der Vollstreckung) der Strafe an ihnen ein Teil von den Gläubigen zugegen sein.“ (Surah An-Nuur 24:2)

Durch die Sunnah wird auch die Verbannung des Unzucht treibenden für ein Jahr angewandt.
„Der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) veranlasste die Bestrafung durch Auspeitschen (des Unzuchttreibenden) und Verbannung eines Jahres, ebenso tat dies Abu Bakr und auch 'Umar.“ (Tirmidhi 1442, 4/33 und Bayhaqi 16977, 8/389)

Auch sagte der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam): „Wenn ein unverheirateter Mann mit einer unverheirateten Frau Unzucht treibt, erhalten sie 100 Peitschenhiebe und Verbannung für ein Jahr.“ (Muslim 4890, 6/189)

 

Wenn der Unzucht treibende ein Sklave ist [1]

Der Sklave bekommt er nur 50 Peitschenhiebe, da der Sklave grundsätzlich immer nur die Hälfte der Strafe für eine Sünde enthält (sowie auch den doppelten Lohn für gute Taten). Der Beweis:

{فَإِذَا أُحْصِنَّ فَإِنْ أَتَيْنَ بِفَاحِشَةٍ فَعَلَيْهِنَّ نِصْفُ مَا عَلَى الْمُحْصَنَاتِ مِنَ الْعَذَابِ}

„Und wenn sie (durch Heirat) ehrbare Frauen geworden sind und dann eine Abscheulichkeit begehen, soll ihnen (nur) die Hälfte der Strafe zukommen, die ehrbaren Frauen zukommt.“ (Surah an-Nisaa‘ 4:25)

Ebenso bekommt er keine Verbannung, da dies gegen das Interesse seines Besitzers geht.


In welchen Fällen die Strafe für Ehebrecher und Unzuchttreibende nicht ausgeführt wird

  1. Der versehentliche Geschlechtsverkehr mit einer Frau, von der man dachte, sie wäre die Ehefrau.
  2. Wenn man denkt, der Ehevertrag ist gültig, während er es nicht ist.
  3. Wenn die Gültigkeit einer Eheschließung umstritten ist.
  4. Wenn man sich des Verbots von Zina nicht bewusst ist.
  5. Wenn man zur Zina gezwungen wurde (Vergewaltigung usw.).

Der Beweis:

{وَلَيْسَ عَلَيْكُمْ جُنَاحٌ فِيمَا أَخْطَأْتُم بِهِ وَلَـٰكِن مَّا تَعَمَّدَتْ قُلُوبُكُمْ}

„Es ist für euch keine Sünde in dem, was ihr an Fehlern begeht, sondern was eure Herzen vorsätzlich anstreben.“ (Surah Al-Ahzaab 33:5)
 

Die Bedingungen dafür, dass die Strafe für Zina (Ehebruch u. Unzucht) ausgeführt wird

  1. Ein viermaliges Geständnis der Zina.
  2. Die Anwesenheit von vier männlichen Zeugen, die den Geschlechtsakt mit eigenen Augen gesehen haben, während es hierbei keinen Zweifel geben darf.

Der Beweis:

{وَالَّذِينَ يَرْمُونَ الْمُحْصَنَاتِ ثُمَّ لَمْ يَأْتُوا بِأَرْبَعَةِ شُهَدَاءَ فَاجْلِدُوهُمْ ثَمَانِينَ جَلْدَةً وَلَا تَقْبَلُوا لَهُمْ شَهَادَةً أَبَدًا ۚ وَأُولَـٰئِكَ هُمُ الْفَاسِقُونَ}

„Diejenigen, die den ehrbaren Ehefrauen (Untreue) vorwerfen und hierauf nicht vier Zeugen beibringen, die geißelt mit achtzig Hieben und nehmt von ihnen niemals mehr eine Zeugenaussage an - das sind die (wahren) Frevler“ (Surah An-Nuur 24:4)

{لَّوْلَا جَاءُوا عَلَيْهِ بِأَرْبَعَةِ شُهَدَاءَ ۚ فَإِذْ لَمْ يَأْتُوا بِالشُّهَدَاءِ فَأُولَـٰئِكَ عِندَ اللَّـهِ هُمُ الْكَاذِبُونَ}

„Hätten sie doch darüber vier Zeugen beigebracht! Da sie aber die Zeugen nicht beigebracht haben, so sind diese bei Allah die Lügner.“ (Surah An-Nuur 24:13)

{وَاللَّاتِي يَأْتِينَ الْفَاحِشَةَ مِن نِّسَائِكُمْ فَاسْتَشْهِدُوا عَلَيْهِنَّ أَرْبَعَةً مِّنكُمْ}

„Und diejenigen von euren Frauen, die das Abscheuliche begehen, - bringt vier Zeugen von euch gegen sie.“ (Surah An-Nisaa‘ 4:15)

          3. Eine Schwangerschaft (von einer unverheirateten Frau oder Sklavin ohne Besitzer).


Die Strafe für praktizierte Homosexualität [1]

Die Täter müssen in jedem Fall getötet werden, unabhängig davon, ob sie verheiratet waren oder nicht. Die Sahaba waren sich darin einig. Sie waren sich nur uneinig darin, ob der Homosexuelle gesteinigt oder von einem hohen Gebäude oder Berg hinunter geworfen werden muss.
Da diese Tat eine derart Abscheuliche ist, werden die Täter der Homosexualität als Übertreter und Kriminelle bezeichnet und Allah hat das Volk von Lut mit einer Strafe heimgesucht, wie Er sie an keinem anderen Volk angewandt hat, indem Er ihre Stadt umdrehte und das Oberste zuunterst kehrte und sie mit einem Regen aus Steinen bestrafte. Beweis:

{وَلُوطًا إِذْ قَالَ لِقَوْمِهِ أَتَأْتُونَ الْفَاحِشَةَ مَا سَبَقَكُم بِهَا مِنْ أَحَدٍ مِّنَ الْعَالَمِينَ ﴿٨٠﴾ إِنَّكُمْ لَتَأْتُونَ الرِّجَالَ شَهْوَةً مِّن دُونِ النِّسَاءِ ۚ بَلْ أَنتُمْ قَوْمٌ مُّسْرِفُونَ}

„Und (Wir sandten) Lut, als er zu seinem Volk sagte: "Wollt ihr denn das Abscheuliche begehen, wie es vor euch niemand von den Weltenbewohnern begangen hat? Ihr lasst euch doch wahrlich in Begierde mit den Männern ein anstatt mit den Frauen. Aber nein! Ihr seid maßlose Leute.“ (Surah A’raf 7:80-81)

 

Die Verleumdung

Sie wird von den Gelehrten als das Beschuldigen von unschuldigen Personen (meist Frauen) des Ehebruchs, der Unzucht oder der Sodomie (Homosexualität) definiert.
Die Verleumdung ist laut Qur’aan Surah An-Nuur, Ayah 4 verboten und der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) bezeichnete sie als enorme, zerstörerische Sünde, als er sagte: „Vermeidet die sieben zerstörerischen Sünden.“ Unter diesen sieben großen zerstörerischen Sünden ist: „Das Verleumden von unschuldigen, keuschen, unachtsamen, gläubigen Frauen.“ Wer nicht vier männliche muslimische Zeugen für seine Behauptung liefern kann, wird bestraft werden.

 

Die Strafe für die Verleumdung in einem islamischen Land [1]

  • Das Auspeitschen.
  • Die Ablehnung der Zeugenaussage.
  • Ihn als aufsässige, ungehorsame, boshafte Person bezeichnen, solange sie ihre Anschuldigung nicht beweisen kann.

Der Beweis:

{إِنَّ الَّذِينَ يَرْمُونَ الْمُحْصَنَاتِ الْغَافِلَاتِ الْمُؤْمِنَاتِ لُعِنُوا فِي الدُّنْيَا وَالْآخِرَةِ وَلَهُمْ عَذَابٌ عَظِيمٌ ﴿٢٣﴾ يَوْمَ تَشْهَدُ عَلَيْهِمْ أَلْسِنَتُهُمْ وَأَيْدِيهِمْ وَأَرْجُلُهُم بِمَا كَانُوا يَعْمَلُونَ} 

„Gewiss, diejenigen, die den ehrbaren, unachtsamen gläubigen Frauen (Untreue) vorwerfen, sind verflucht im Diesseits und Jenseits. Für sie wird es gewaltige Strafe geben, am Tag, da ihre Zungen und ihre Hände und ihre Füße gegen sie Zeugnis ablegen werden über das, was sie zu tun pflegten.“ (Surah An-Nuur 24:23-25)

Die Strafe für Verleumdung wird ausgeführt, um die Ehre der Muslime zu bewahren, um unschuldige Frauen und Menschen vor solch obszönen Angriffen zu beschützen und um die muslimische Gemeinschaft vor dem Ausbreiten von Sünde und Korruption zu bewahren.

Die Strafe für Verleumdung wird nur dann ausgeführt, wenn die verleumdete Person dies befiehlt.

Es gibt zwei Arten der Verleumdung:

  1. Deutliche Worte: Sie beinhalten die eindeutige Verleumdung mit Worten wie „du Unzuchttreibender“, „du Ehebrecher“, „Homosexueller“ usw. und es gibt hier keine Entschuldigung, weil es hier nichts misszuverstehen gibt.
  2. Worte mit Anspielungen: Hier könnte man Entschuldigungen annehmen, wenn der Verleumder beweisen kann, dass er etwas anderes mit seinen Worten gemeint hat. Wie z.B. wenn er eine Person als „lasterhaft“ oder als „Lustmolch“ bezeichnet und damit nicht den Ehebruch gemeint hat. In solch einem Fall kann die Strafe abgewendet werden.

Wenn jemand den Propheten (salla-llahu alayhi wa sallam) verleumdet, so wird er dadurch zum Kaafir, also zum Abtrünnigen! Deshalb soll der Muslim seine Zunge gut hüten, weil sie allein schon den Muslim ins Höllenfeuer befördern kann. Der Beweis:

{مَّا يَلْفِظُ مِن قَوْلٍ إِلَّا لَدَيْهِ رَقِيبٌ عَتِيدٌ}

„Kein Wort äußert er, ohne dass bei ihm ein Beobachter bereit wäre.“ (Surah Qaf 50:18)

{يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اتَّقُوا اللَّـهَ وَقُولُوا قَوْلًا سَدِيدًا} 

„O die ihr glaubt, fürchtet Allah und sagt treffende Worte“ (Surah Al-Ahzaab 33:70)

Und der Hadith: „Gibt es etwas anderes, was die Menschen dazu bringt, auf ihren Gesichtern ins Höllenfeuer gezogen zu werden, als das Resultat ihrer Zungen (die verbalen Sünden)?“ (Tirmidhi 2621, 5/11)


Schaykh Dr. Saalih Al-Fawzan, hafidhahullah

Auszüge aus dem Buch „A summary of Islamic Jurisprudence“ (S. 593 – 607)
Überschriften u. Ergänzungen von islamfatwa.de

 

[1]Dieses Urteil findet ausschließlich in einem, unter islamischem Gesetz stehenden, Land seine Anwendung und wird vom islamischen Richter rechtskräftig gemacht und ist unsererseits kein Aufruf zur Selbstjustiz.

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