Frage:
Scheikh, ein tunesischer Bruder fragt über die aktuellen Ereignisse in Tunesien und über die Probleme und dem Chaos dort.

Antwort:
Bei Allah, wir stimmen diesen Ereignissen, die dort aktuell in Tunesien oder auch in Algerien vorzufinden sind, weder zu noch akzeptieren wir diese. Denn in Wirklichkeit, haben sie darin nicht die Sunnah des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gefolgt und auch nicht die Rechtleitung seiner edlen Gefährten, Allahs Wohlgefallen auf ihnen. Sie folgten damit dem Beispiel des Westens, wie Europa und Amerika. Wir werden auch nicht müde im Suchen nach Beweisen hierfür. Die Äußerungen der Oppositionsführer aus diesen Ländern, wie die der Sozialisten, der Linken und Ihresgleichen, belegen dies, sie alle sagen, dass wir noch nicht die Ebene der Redefreiheit erreicht hätten, zu dem der Westen gelangt ist. Das heißt, du sollst alles sagen dürfen, was du möchtest, du bist frei diesbezüglich. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Äußerungen Frevel sind, Unglaube, Neuerung, Irreführung oder ähnliches. Das ist falsch!

Was das Arbeiten und die Beschaffung von Arbeit anbetrifft, so ist dies ein Erfolg und eine Wohltat, die der erhabene Allah gewährt. Die Diener müssen diese Lage ändern, indem sie zu Allah zurückkehren. Doch muss dies eine richtige Rückkehr sein, indem sie Allah um Vergebung bitten und sich an Seine Gesetze halten. Nur dann können sie auf einen Wandel hoffen. Was jedoch diese Methoden anbetreffen, bei denen sie lediglich darin den Westen nachahmen, so wird dies nur Schlechtes als Ergebnis vorbringen. Das Resultat wird Zerstörung und Verwüstung sein, möge Allah uns davor bewahren. Ihr seht und hört von Toten und Verletzten dort. Es sind hunderte Verletzte und die Anzahl der Toten ist enorm gestiegen. In Algerien gibt es schon mehr als 50 Tote und in Tunesien genauso.

Außerdem, ist es denn einem Menschen erlaubt, sich selbst zu töten, nur weil er keine Arbeit findet? Soll er sich etwa deshalb mit Feuer verbrennen? Dies war der erste Funke, der den Großbrand in Tunesien ausgelöst hat. Dies ist ihm nicht erlaubt. Es vergingen drei Monde in zwei Monaten, während der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, nichts zu essen hatte, außer Dattel und Wasser. Bei Allah, haben diese Menschen dort diesen Ausmaß (des Hungerns) erleidet?

Gepriesen sei Allah! Sie müssen sich gedulden. Denn wenn sie sich gedulden und Allah fürchten, dann wird Allah bald das Leid von ihnen nehmen. Sie müssen ihn um Vergebung bitten und zu ihm zurückkehren. Denn Der erhabene Allah hat gesagt: "Er ist ja Allvergebend, so wird Er den Regen auf euch ergiebig (herab)senden und euch mit Besitz und Söhnen unterstützen und für euch Gärten machen und für euch Bäche machen." (Nuh 71:10)

Wir sind dazu verpflichtet, zu Allah zurückzukehren. Wenn wir zu Allah zurückkehren, dann wird er dieses Leid von uns nehmen. In der Zeit vom Kalifen 'Ummar, ist eine schwere Hungersnot ausgebrochen. Sind auch sie etwa auf die Straßen gegangen und haben demonstriert? Haben sie sich beschwert, da es keine Arbeit gab, kein Essen und dass die Einkünfte des Einzelnen sehr niedrig war? Sie haben all das nicht getan.

All das haben sie vom Westen geerbt, der ja ungläubig ist. Der Beweis hierfür sind sie selbst, die den Westen stets als Beleg (und Vorbild für ihre Handlungen) nehmen. Das ist nicht erlaubt. Wir sind die Ummah des Islams, die eine eigene Schari’ah (Gesetzgebung) und Religion hat. Wir müssen uns gedulden, bis Allah dieses Leid von uns nimmt. Neben dieser Geduld, müssen wir auch versuchen, aufrichtig zu Allah zurückzukehren, in dem wir uns selbst bessern und die anderen dazu rufen, zu Allah zurückzukehren und ihre Lage zu bessern. Denn nur dann wird Allah unsere Lage bessern. "Und wenn sie sich auf dem Weg recht verhielten, würden Wir ihnen wahrlich Wasser im Überfluss zu trinken geben." (al-Djinn 72:16)

Wenn wir uns auf dem Weg recht verhalten, wird Allah uns den Lebensunterhalt erweitern. "Hätten aber die Bewohner der Städte geglaubt und wären sie gottesfürchtig gewesen, hätten Wir ihnen bestimmt Segnungen von dem Himmel und der Erde aufgetan." (al-A‘rf 7:96)

"Und wer Allah fürchtet, dem schafft Er in seiner Angelegenheit Erleichterung." (at-Talq 65:4)

Außerdem sagte Er: "Und (Er) gewährt ihm Versorgung, von wo (aus) er damit nicht rechnet." (at-Talq 65:3)

Unsere Pflicht hier ist es, die Menschen lediglich daran zu erinnern, welche Unterschiede zwischen uns und den Ungläubigen herrschen und welchen Vorzug Er uns ihnen gegenüber gewährt hat und welche eindeutigen Verse Er auf uns herabgesandt hat und was vom Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, an authentischen Ahadith diesbezüglich überliefert wurden. Sie (die Ungläubigen) haben ihre eigenen Methoden bei der Behandlung ihrer Angelegenheiten. Diese Methode eignet sich jedoch nicht für uns, weder aus der Sicht der Schari’ah noch aus der Sicht der Bestimmung.

Deshalb ist es für uns verpflichtend, den Weg einzuschlagen, den uns Der erhabene Allah anbefohlen hat zu folgen. Diesem Weg müssen wir folgen. Doch leider ist es so, dass die Menschen dort von den verschiedenen Strömungen geleitet werden. Einmal sind es die politischen, atheistischen Strömungen des Laizismus, Sozialismus und Kommunismus und einmal die Khawaridj-Strömungen der Ikhwan („Muslimische Bruderschaft“).

Jeder dieser Strömungen bläst Wind in diese Menschen hinein, die ja wie Brennholz sind, um darauf sein eigenes Gericht zu kochen und zu essen. Diese Menschen sind der Brennstoff. Sie sterben, damit diese Strömungen die Früchte ernten können. Der Brennstoff und das Brennholz, welche dabei zugrunde gehen und verbrennen, sind diese armen Menschen. Es sind entweder Strömungen dieser Atheisten und Ketzer oder Strömungen dieser Neuerer und Irreleiter von den Khawaridj. Sie sind es, die die Menschen in die Öfen solcher Heimsuchungen werfen. Möge Allah uns davor bewahren.

Deshalb müssen wir vorsichtig sein und uns vor solchen Dingen in Acht nehmen. Wir müssen wissen, dass es für einen Muslim verpflichtend ist, (auf die Obrigkeit) zu hören und ihnen (im Guten) zu gehorchen, selbst wenn sie ihn auspeitschen und ihm sein Besitz wegnehmen sollten. Die Menschen dort wurden weder ausgepeitscht noch wurde ihnen ihr Besitz weggenommen. Sie sind es selbst, die sich zugrunde gerichtet haben, indem sie sich selbst töteten oder verbrannten. Außerdem vergingen sie sich dabei auch an die Interessen anderer, indem sie die Häuser anderer verwüsteten und Autos, Geschäfte sowie Banken in Brand setzten. Es wurden auch staatliche Institutionen zerstört. All das ist nicht erlaubt. Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat uns befohlen, dass wir (auf die Obrigkeit) hören und (im Guten) gehorchen sollen, auch wenn dies unserem Egoismus missfallen sollte. Somit ist es eine Pflicht für uns.

Wir kommen unseren Pflicht ihnen gegenüber nach und bitten Allah darum, Er möge uns unser Recht geben (das uns zusteht). Wenn wir dieses Recht hier in dieser Welt nicht vorfinden sollten, so werden wir es gewiss bei Allah, Dem Erhabenen, vorfinden.

Möge Allah alle zum Erfolg führen.


Sheikh Muhammad Bin Hadial-Madkhali, hafidhahullah

Am 08.02.1432 n. H. – 14.01.11

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