Frage:
Ist es erlaubt, den Behörden eine Person zu melden, der die Menschen, die in Sicherheit leben, (mit Anschlägen) terrorisieren möchte, und die Sicherheit dieses Landes missbraucht unter dem Vorwand, dies wäre der Jihad?

Antwort:
[...] Du kommst in dieses Land, schwelgst dich in Sicherheit, Stabilität und Wohlstand, welches dort gegeben ist und dann kommt der Teufel und bringt dich in Versuchung, sodass du die Menschen, die in Sicherheit leben, (mit Anschlägen) terrorisieren möchtest. Das Übel dabei ist, dass du diese Tat als Jihad bezeichnest. Möge Allah uns unversehrt lassen.

Liebe Geschwister, was für ein Jihad soll das sein?! Der Jihad ist, dass du gegen dich selbst ankämpfst, indem du die Gesetze deines Herrn einhältst. Der Jihad ist, dass du gegen dich selbst ankämpfst, indem du Ar-Rahman gehorchst! Indem du Allah gehorchst und die Sunnah des Propheten (sallAllahu alayhi wa sallam) befolgst. Dabei spielt es keine Rolle, ob du dich in einem muslimischen Land befindest oder hier in diesem Land (Deutschland).

Als die Gefährten (radiAllahu ahnum) Einschränkungen in ihrem Land erleiden mussten, obwohl sie selbst Leute von Mekka waren und einige von ihnen sogar Quraischis, also von Quraisch abstammten und trotzdem von den Quraischis belästigt wurden, hat unser Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sie ermutigt, nach al-Habaschah (Abessinien) auszuwandern. Und was war al-Habaschah - ein Land des Islams? Nein, bei Allah niemals!
Es war genau wie dieses Land hier (Deutschland). Doch unser Prophet hat eine Eigenschaft erwähnt, die der Grund dafür war, warum er dazu ermutigt hat, dass die Mekkaner, Mekka verlassen sollen. Sie sind aus ihren Ländern und ihrer Heimat ausgewandert und haben ihre Angehörigen und ihren Besitz zurückgelassen, und haben diese Strecke auf sich genommen – wo ist Mekka, liebe Geschwister und wo ist al-Habaschah? Einige gewaltige Entfernung ist das – doch warum all dies?
Weil es dort eine Eigenschaft gab in al-Habaschah: Dort gab es einen Mann (der herrschte), bei dem niemand Unrecht erleidet. Es ist die Gerechtigkeit! Er ließ unter den Menschen Gerechtigkeit walten, sei es gegenüber der al-Habaschah oder anderen. Daraufhin sind die ersten der Muslime, die ja die Sahaba sind, Allahs Wohlgefallen auf ihnen, ausgewandert. Es ist bis heute in ihrer Biographie festgehalten. Es wird gesagt: Dieser Gefährte hat die beiden Auswanderungen gemacht. Allahu Akbar! Das bedeutet, die Auswanderung nach Medina und die Auswanderung nach al-Habaschah. Dies ist eine weitere Vorzüglichkeit und Ehrung dieser Sahaba. Sie sind nach al-Habaschah ausgewandert, weil es dort einen Mann gab (der herrschte), bei dem niemand Unrecht erleidet. Er war gerecht.
Und du lieber Bruder bist nun ausgewandert, genauso wie viele andere Araber auch, die ich kenne und die auch aus ihren Ländern ausgewandert sind, weil in ihren Ländern Unterdrückung geherrscht hat oder, weil es dort – wie sie sagen – keinen Wohlstand gab und sie einige Einschränkungen durch die Geheimdienste oder ähnliches erleiden mussten, deshalb sind sie in dieses Land hier gekommen. Nun willst du die Menschen, die dort in Sicherheit leben, (mit Anschlägen) terrorisieren - was für ein Jihad soll das sein?!

Doch solch eine Sicht des Denkens dürfte für euch nicht mehr ungewöhnlich sein, liebe Geschwister. Ihr habt wahrscheinlich alle die Nachrichten dieser Tage verfolgt, nachdem Usamah Bin Laden getötet wurde, wieviele Terroranschläge die Anhänger von Bin Ladin in Pakistan und Afghanistan verübt haben. Habt ihr davon gehört oder nicht? Es wurden ein Krankenhaus, ein (Behörden-)Zentrum und andere Gebäude in die Luft gesprengt. Wer sind die Leute, die sie damit terrorisieren wollen? Es sind Pakistaner und Afghanen. Und warum? Sie sagen: "Als Racheakt für Bin Laden." Sie können sich nur mit den Schwächsten anlegen, wie gegen die Pakistaner und Afghanen. Sie kommen, sprengen ein paar Krankenhäuser und andere Gebäude in die Luft und sagen dies wäre ein Racheakt für die Seele von Bin Laden.

Und dann nennen sie das auch noch Jihad ... bei Allah, das ist kein Jihad liebe Geschwister! Möge Allah mich und euch zum Erfolg bringen. Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass diese Tat nicht erlaubt ist, weder islamisch-rechtlich, noch verstandsmäßig, noch aus irgendwelchen Bräuchen.

Bei Allah, diese Leute haben dich aufgenommen und du verhältst dich trotzdem so?! SubhanAllah! Jener ist, wie in einem Sprichwort gesagt wird: „Wenn du großzügig bist zu einem Ehrenmann, wirst du ihn besitzen (d. h. sein Herz) und wenn du großzügig bist zu einem Schurken, wird er gegen dich nur meutern.“ Wie kannst du gegen sie meutern? Sieh her, selbst in unseren arabischen Gebräuchen und Umgangsformen wird so etwas nicht geduldet. Wenn dich einer gut behandelt, wie kannst du ihn also schlecht behandeln?

Was das Melden solcher Leute bei den Behörden betrifft, so sage ich im Hinblick auf den Fragesteller, der fragte, ob es erlaubt sei eine Person den Behörden zu melden, welche die Menschen, die in Sicherheit leben, (mit Anschlägen) terrorisieren möchte, folgendes:

Nur wenn du dir dabei sicher bist, zuallererst musst du dich vergewissern. Ihr müsst euch zuallererst vergewissern, liebe Geschwister. Wir arbeiten nicht mit Mutmaßungen. Wenn bei dir aber Gewissheit herrscht, dass diese Person, der ja ein "Mujahid" und ein "Held" ist, maschaAllah (ironisch gemeint), die Menschen, die in Sicherheit leben, (mit Anschlägen) terrorisieren möchte, so sage ich zum Fragsteller, der gefragt hat, ob es erlaubt sei, dass es sogar verpflichtend ist! Es ist sogar verpflichtend, ihn (den Behörden) zu melden! Doch erst nachdem du dich vergewissert hast.
Wenn bei dir Gewissheit über ihn herrscht und du ihn beratschlagt hast, dies zu unterlassen, doch er es nicht akzeptiert und dies weiterhin als Jihad ansieht, dann musst du ihn in diesem Fall melden! Schon allein aufgrund des Vertrages, der zwischen dir und der deutschen Regierung herrscht. Denn sie haben dich aufgenommen und haben dir eine Aufenthaltsgenehmigung gegeben, das ist ein Vertrag, liebe Geschwister! Diese Aufenthaltsgenehmigung oder dieser Ausweis sind Verträge zwischen dir und ihnen, also den Deutschen. Und wie wir bereits gesagt haben, respektieren wir die Verträge auf Grundlage unserer Religion und nicht auf Grundlage ihrer Religion, obwohl hierüber Einigkeit unter allen Religionen herrscht. Selbst die Gebräuche sind sich hierüber einig, nämlich dass wer gut zu dir ist, du genauso gut zu ihm sein sollst!

Dies ist also ein Vertrag und die Muslime halten ihre Verträge ein. Du darfst in diesem Land leben mit der Bedingung, ihre Gesetze zu respektieren. Ja, wir müssen die Gesetze ihres Landes respektieren. Ja, wenn sie uns zur Sünde (z. B. das Unterlassen des Gebets) aufrufen, werden wir dies nicht tun. Doch alle übrigen Gesetze müssen wir respektieren!

Möge Allah uns Erfolg gewähren.


Scheikh Falah Mandakar, hafidhahullah

Aus einer Audioaufnahme des Scheikhs

 

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