Frage:
Ich lernte eine Person kennen, die der Da’wah-Salafiyyah folgt, und las ebenfalls ein Buch über diese Bewegung. Ich glaube, dass die Da’wah-Salafiyyah korrekt ist und dass deren Anhänger den richtigen ´Aqidah (Glauben) haben. Trotzdem habe ich noch einige Fragen:
1. Wie korrekt ist es aus islamischer Sicht, das Wort „Salafi“ zu benutzen und sich selbst als solcher zu bezeichnen?
2. Wenn jemand sagt, dass er Salafi ist, lobt es sich damit selbst? Spaltet man durch so etwas die Ummah?
3. Wenn wir den Sufis sagen, dass ihr Mazhab falsch ist und dass weder der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam), noch seine Gefährten ihre Lehren verbreiteten, antworten sie, dass weder der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam), noch seine Gefährten das Wort „Salafi“ benutzten. Was sollen wir darauf erwidern?

Antwort:
Preis sei Allah. Diese Frage können wir mit folgenden Punkten beantworten:

1. Jeder Person obliegt es, der Rechtleitung des Gesandten Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) und der, seiner Gefährten (radiAllahu anhumma) zu folgen. Das ist der Weg von Ahlus-Sunnah wa Al-Jama’a und der Anhänger der rechtschaffenen Vorfahren (As-Salaf As-Salih).
Allah sagt: „Sprich: ‚Das ist mein Weg: Ich rufe zu Allah; ich und diejenigen, die mir folgen, sind uns darüber im Klaren. Und gepriesen sei Allah; und ich gehöre nicht zu den Götzendienern.’“ (Yusuf:108)

„Wer sich aber dem Gesandten widersetzt, nachdem ihm der rechte Weg klar geworden ist, und einen anderen Weg befolgt als den der Gläubigen, den werden Wir verfolgen lassen, was er verfolgt, und werden ihn dann in Jahannam brennen lassen; und schlimm ist sein Ende.“ (An-Nisa’:115)

Wer dem Weg des Gesandten Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) folgt, gehört zu den 'Salaf us-Salih, auch wenn ihn die Leute anders nennen. Genauso ist der, der dem zuwiderhandelt und sich von der Sunnah abwendet, ein Erneuer (Mubtadi’), selbst wenn er behauptet, ein Salafi zu sein.

2. Wenn jemand sich selbst als Salafi bezeichnet, um damit seine Dankbarkeit dafür auszudrücken, dass er zu diesem Weg geleitet wurde oder um sich von Neuerungen klar zu distanzieren, dann ist das in Ordnung und islamisch gesehen erlaubt. Wenn er dies aber mit der Absicht tut, sich selbst zu loben, dann ist es verboten, denn Allah sagt: „Darum erklärt euch nicht selber als rein.“ (An-Najm:32)
Ähnlich ist so etwas nicht erlaubt, wenn diese Aussage dazu dienen soll, Spaltung und Gruppierungen hervorzubringen, da eine solche Haltung verboten ist, wie deutlich aus der folgenden Geschichte hervorgeht:

Jabir ibn ´Abdullah überlieferte: „Ein Mann der Muhajirin schubste von hinten einen Mann der Ansar, sodass jedermann’s Volk sich um den Betreffenden versammelte und rief: „Oh ihr Muhajirin [kommt zur Hilfe]!“ oder „Oh ihr Ansar [kommt zur Hilfe]!“. Der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) hörte davon und sagte: „Hört damit auf. So etwas ist abstoßend.“ Dann sagte er weiter: „Was ist das für ein Ruf der Leute der Jahiliyyah? Was ist das für ein Ruf der Leute der Jahiliyyah?“ (Ahmad, Nr. 14105. Dieser Hadith ist ebenso in beiden Sahih-Werken aufgeführt).

Der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) bezeichnet dies als „Ruf der Leute der Jahiliyyah“ und als „abstoßend“, obwohl beide Ausdrücke „Ansari“ und „Muhajiri“ islamische Ausdrücke sind.
Der erste bezieht sich auf die, die Allah und Seinen Gesandten unterstützt haben, der zweite auf die, die das Land des Kufr verlassen haben und zu Allah und Seinem Gesandten ausgewandert sind. Warum wurden sie trotzdem derart bezeichnet? Weil sie in diesem Fall beide Ausdrücke auf unakzeptable Weise gebraucht haben, nämlich zur Aufspaltung und zum Zwecke politischer Polemik, die leicht zu einem Kampf zwischen beiden Gruppen hätte führen können. Dasselbe gilt auch für den Ausdruck „Salafi“.

3. Wenn die Anhänger von Ahlus-Sunnah und die Salaf sich selbst von den Mubtadi'ah abgrenzten, kann man das nicht als Spaltung der Ummah bezeichnen, wie solche denken, die die Benutzung dieses Wortes in einem derartigen Fall kritisieren. Aber das Distanzieren muss dem Ausmaß der Bid’a gerecht werden – je nachdem, ob sie groß oder eher gering ist – und sollte auf jedem Fall dem übergreifenden Interesse der islamischen Da’wah untergeordnet werden.

4. Die Behauptungen der Sufis, die in der Frage erwähnt wurden, sind unbegründet. Die Kritik an ihnen gilt nicht hauptsächlich der Bezeichnung „Sufi“, was ein sehr allgemeiner Ausdruck ist, der ebenfalls für islamisch korrekte Dinge verwendet werden kann, wie zum Beispiel Enthaltsamkeit und Furcht vor Allah. Er kann sich aber auch auf Erneuerungen beziehen, wie Zölibat und Extremismus.
Die harsche Kritik gilt vielmehr den Schirk in mannigfachen Formen – großer wie kleiner -, die mit Sufismus und den Tariqahs verbunden sind. Das Wort „Tassawuf“ (Sufismus) bezieht sich heutzutage hauptsächlich auf Sufi-Tariqahs und den verschiedenen Arten von Neuerungen, die sie praktizieren.

Sufismus – und das wird aus ihren Bücher und dem Verhalten der Sufis selbst deutlich – umfasst verirrte Vorstellungen von Kufr, wie Hulul (Inkarnation Allahs und der Glaube, dass Allah in Seiner Schöpfung zu finden ist – hoch erhaben ist Er über das, was sie behaupten), Ittihad (Einheit) und Wahdat Al-Wujud (Pantheismus oder die Einheit alles Existierenden, d.h. der Glaube, dass der Schöpfer und Seine Schöpfung ein und dieselbe Sache sind, und dass alles Existierende Allah ist – hoch erhaben ist Er über das, was sie behaupten).
Des Weiteren zählen ihre Übertreibungen im Hinblick auf die Auliya’ und ihre Erneuerungen an gottesdienstlichen Handlungen und Aurad (Du’as) dazu.

5. Wer ernsthaft sein Heil sucht, sollte sich bemühen, nützliches Wissen zu suchen und gute Taten zu verrichten. Sinnlose Argumente und unnütze Diskussionen sollte er weit umgehen.
Wir bitten Allah, uns und dir dabei zu helfen, der Wahrheit zu folgen und ihr entsprechend zu handeln.

Möge Allah unseren Propheten Muhammad (sallAllahu alayhi wa sallam) segnen.

 

Das Ständige Komitee für wissenschaftliche Forschung und Rechtsfragen

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