Der Hadith bzgl. der Behandlung von Zauber

Eine Gruppe von Menschen stritten irrtümlicherweise ab, dass Sihr (Zauberei) Einfluss auf den Propheten (salla-llahu alayhi wa sallam) haben könne und sie glaubten, dass sich dies weder seinem Rang, noch seiner Stellung geziemen würde. Tatsächlich aber zeigt die Beeinflussbarkeit durch Zauberei die menschliche Seite des Propheten (salla-llahu alayhi wa sallam), genauso wie er auch an mancherlei anderen Krankheiten litt – und die Wirkung von Sihr ist ein Leiden, so wie die Wirkung von Gift es ist. In den Sahihayn ist überliefert dass ‘Aischa sagte: „Der Gesandte Allahs wurde von Zauberei (Sihr) getroffen, bis er halluzinierte, er hätte mit seinen Frauen geschlafen, und er tat dies in Wirklichkeit nicht.“ (Bukhari 5765, Muslim 5667) Dies ist von der schlimmsten Art des Zaubers.

Al-Qadi Iyad sagte: „Zauberei ist wie jede andere Krankheit, an welcher der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) litt und diese Tatsache tangiert seinen Rang als Propheten nicht im Geringsten. Darüber hinaus mindert der Umstand, dass der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) sich etwas eingebildet hat, was er in Wirklichkeit nicht getan hat, nicht seine Wahrhaftigkeit bezüglich der Religion. Es gibt einen Daliil (Beweis) und den Ijmaa (Konsens) darüber, dass er in dieser Hinsicht vor Irrtümern gefeit ist.
Zauberei ist wie jeder andere Belang des Lebens und sie hat nichts mit dem Grund seiner Entsendung und seiner Bevorzugung über die Menschheit zu tun. Der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) war allen möglichen Krankheiten ausgesetzt, die andere Menschen auch befallen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass er sich einbildete etwas getan zu haben, was er in Wirklichkeit aber nicht tat und dass er sich bald (von dieser Krankheit der Zauberei) erholte.“

Der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) wandte, wie es überliefert wurde, zwei Methoden an, um Zauberei zu behandeln:

  1. Die erste war, heraus zu finden, was genau der Zauberspruch war, um ihn dann aufzuheben. Der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) fragte seinen Rabb (Herrn) danach und Allah zeigte ihm, dass der Zauberspruch in einem Brunnen versteckt lag. Er entfernte den Zauberspruch, der eigentlich aus einem Kamm, den gekämmten Haaren und trockener Tal’ah (Pflanzenart) bestand. Alsbald er diese Gegenstände entsorgte, wurde er augenblicklich geheilt, und es war, als wäre er gefesselt und dann plötzlich befreit worden. Dies ist das beste Heilverfahren für Sihr und es ähnelt der Praxis septische Substanzen durch vollständiges Erbrechen zu entfernen.
  2. Die zweite (vom Propheten angewandte Methode) ist, schädigende Substanzen von dem Organ, welches am meisten von dem Zauber angegriffen wurde, zu entfernen, bzw. auszuscheiden. Zauber beeinflusst das Wesen erzeugt schädigende Substanzen und beeinflusst die Stimmung nachteilig. So wird das Auswerfen, bzw. Erbrechen der fremdartigen Substanz, welche in Folge eines Zauberspruches ein bestimmtes Organ befallen hat, unumgänglich.

Abu Ubaid erwähnte im Buch ‚Gharib al-Hadith‘ mit einer Überlieferungskette von Abdur-Rahman bin Abi Layla dass der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) bei Sihr unter Zuhilfenahme eines Hornes an seinem Kopf Hijamah anwandte. Wer wenig Wissen hat, den mag dies verwirren und er wird sagen: „Hilft Hijamah bei Sihr? Und wo liegt der Zusammenhang zwischen dem Leiden (Sihr) und dem Heilmittel?“
Hätten Hippokrates, Ibn Sina oder sonst wer dieses Heilmittel der Hijamah erwähnt, so würde man diese Behandlungen vorschlagen, akzeptieren und begrüßen und niemand würde diese Erkenntnisse und Vorzüge anzweifeln.
Wisse, dass die Auswirkungen der Zauberei den Kopf des Propheten (salla-llahu alayhi wa sallam) erreichte und einen seiner Sinne beeinflusste, so dass er sich einbildete, etwas getan zu haben, was er aber in Wirklichkeit nicht getan hat. Der Zauber beeinflusst folglich manche der körpereigenen Kräfte, so dass sie nicht mehr normal arbeiten.
Zauberei ist eine Mischung aus Beeinflussung durch böse Arwah (Geister bzw. Jinn) und den widrigen Auswirkungen, die sie auf die regulären Körperfunktionen haben. Die schlimmste Art der Zauberei ist jene, welche die Sinne des betroffenen Organs beeinflusst. Die ordentlich ausgeführte Hijamah an der betroffenen Stelle, welche am meisten von der Zauberei getroffen wurde, verspricht die beste Heilung. Hippokrates sagte „Die Ausbringung bzw. das Schröpfen sollte zum Einen an dem meist befallenen Teil (Organ) und zum Anderen mit den besten zur Verfügung stehenden Mitteln erfolgen.“

Auch sagte eine Gruppe von Menschen, dass, als der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) in diesem Zustand war, er zunächst dachte, dass er (sein Zustand) aufgrund verdorbenen Blutes, welches das Gehirn erreichte und die Sinne beeinflusste, entstand. In diesen Fällen ist Schröpfen das beste Verfahren und dies ist auch das, was der Prophet (salla-llahu alayhi wa sallam) schließlich tat. Als Allah ihm dann offenbarte, dass es sich aber um die Wirkung eines Zaubers handelte, die zu seinem Zustand führte, bat er Allah darum, ihm zu zeigen, wo der Zauberspruch versteckt war, spürte ihn auf und entfernte ihn schlussendlich. Als er dies tat, wurde er sogleich geheilt, als wäre er befreit worden, nachdem er gefesselt war. Ferner beeinflusste der Zauber lediglich die Sinne des Propheten (salla-llahu alayhi wa sallam), nicht aber seine geistige Gesundheit oder sein Herz. Deshalb glaubte er auch nicht das, was er sich eingebildet hatte, nämlich dass er mit seinen Frauen geschlafen hätte, und er wusste, dass dieser Sinneseindruck irreal war. Und von derlei Krankheiten wurde bereits berichtet. Und Allah weiß es am besten.

Was die Behandlungsarten von Sihr anbelangt so sind göttliche Heilung die beste Medizin gegen Zauberei. Da Zauberei das Werk böser Arwah ist, ist die beste Heilung jene, welche die Zauberei aufhebt, wie beispielsweise bestimmte Adhkaar, Qur’aan Aayaat und Bittgebete. Je stärker und entschiedener all dies ist, desto eher wird es den Sihr und seine Wirkung unschädlich machen. Dieser Fall ähnelt zwei gegnerischen Armeen, welche beide mit Waffen und Munition ausgestattet sind: Jene Armee, welche über mehr Waffen und Nachschub verfügt, wird im Kriegsfall die Oberhand gewinnen. Ist das Herz also von Allah erfüllt und fleht es Ihn oft um seine Belange an und sind die Zunge und die guten Taten an das Herz gebunden, so werden diese Dinge die beste existierende Medizin gegen Magie sein.
Zauberer geben zu, dass ihr Tun am ehesten bei Leuten anschlägt, die schwache Herzen haben und damit beschäftigt sind ihre Gelüste und Begierden in der Dunya zu befriedigen. Aus diesem Grund betrifft Magie gewöhnlich Frauen, Kinder, unwissende Menschen, Beduinen und jene, die eine Schwäche in der Religion, einen Mangel an Tawakkul (Vertrauen in Allah) und Tauhid (Einzigkeit Allahs) haben, und die weder oft Allah gedenken, noch die verschiedenen prophetischen Bittgebete und Bitten um Zufluchtnahme anwenden. Kurzum: Grundsätzlich setzt sich die Wirkung von Magie eher bei schwachen Herzen durch, welche sich den Gelüsten der Dunya zuwenden.
Wenn das Herz dem Diesseits zugeneigt ist, kann Magie auf es einwirken, da böse Arwah nur nach dem Schlechten und für sie Anfälligen in der Seele suchen. Ganz sicher beraubt das Schlechte im Herzen einen der göttlichen Unterstützung, die man braucht, da sie einem entsprechende Mittel zur Verteidigung gegen diese bösen Arwah liefert. Aus diesem Grund treffen besagte Jinn, die nach Bösem suchen, auf Herzen, welche sich durch Schlechtes selber geschwächt haben und anfällig dafür sind, sich dem Schlechten hinzugeben. Genau bei solchen Herzen zeigt Magie besonders ihre Wirkung. Und Allah weiß es am besten.


Imam Ibnul Qayyim Al-Jauziyyah, rahimahullah

Die prophetische Medizin (deutsche Ausgabe, S. 117 – 120)

 
Anmerkung:
Imam Ibnul-Qayyim (rahimahullah) sagte: „Es gab eine Zeit, in der ich in Mekka krank wurde, und ich konnte weder einen Artzt noch Medikamente finden. So behandelte ich mich selbst indem ich etwas Zamzam Wasser nahm und mehrmals darüber rezitierte, dann trank ich es. Auf diese weise erholte ich mich vollständig und begann diese Vorgehensweise beizubehalten wann immer ich mehr Schmerz verspürte. Ich profitierte sehr davon.“ (Zaad al-Ma’aad, 4/164)

Und er sagte: „Die Rukyah kommt aus dem Herzen und Mund desjenigen, der sie rezitiert. Wenn sie also mit etwas von seinem Speichel und Atem begleitet wird, wird dies einen stärkenden Effekt haben. (Zaad al-Ma’aad, 4/164)

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