{سِحْر} Sihr sprachlich: "Bann, Charme, Magie, Zauber, Reiz, Faszination".

Sihr fachlich: eine Art geheime Behandlung, die, mit Allahs Erlaubnis, Seele und Körper beeinflusst.


Zwei Arten:

1) Schirk: Durch den Satan und die Dämonen gewonnen. Der Sahir setzt die Jinn und den Satan als Mittel ein, um die Magie anzuwenden. Er muss für die Jinn Opfer bringen oder eine Anbetung ausführen, damit sie für ihn arbeiten. Der Saahir ist Kafir geworden und auf ihn steht in einem islamischen Land die Todesstrafe. Dies darf jedoch nur der Qadi in einem islamischen Land tun. Selbst bei Taubah bekommt er die Todesstrafe [1], da die Jinn ihn niemals in Ruhe lassen werden, weil er deren Geheimnisse kennt. Wer sich mit Sihr beschäftigt, ist Kafir. Wer damit zufrieden ist und es nicht ablehnt, ist auch ein Kafir!

2) Große Sünde: Hypnose, Medikamente und Drogen, um jemanden gefügig zu machen. Mit Händen spielen, Tricks machen, die Menschen täuschen ist haram und eine große Sünde. Zauberei ist haram! Wer dies macht ist ein Faasiq, ein Großsünder, er bekommt auch die Todesstrafe [1], damit die Menschen davon abgeschreckt werden und es nicht nachmachen. Beweis: Sura Al-Baqara, Ayah 102 [2].
 
Sihr ist eine ernstzunehmende, kriminelle Tat und eine der Arten des Kufr. Sie ist eines der Dinge, mit denen die Menschen in der Vergangenheit und heute geprüft wurden und werden. Je mehr Unwissenheit in der Religion herrscht, umso größer ist der Nährboden dafür.
Sihr beinhaltet unter anderem Dinge, die der Magier tut, wenn er Knoten bindet, auf die er bläst, und sie beinhaltet Dinge, welche er in der Lage ist zu tun durch die Hilfe der Schayatien, indem er Dinge tut, die den Verstand der Menschen trübt oder ihn krank macht. Der Saahir kann das Ehepaar damit auseinander bringen, indem er die Frau dem Ehemann hässlich erscheinen lässt oder die Frau dazu bringt, sich vor ihrem Ehemann zu ekeln oder ihn zu hassen, obwohl dies in Wahrheit nicht der Fall ist, da die Wahrnehmung der Menschen durch die Magie getrübt oder geblendet wird. Es kann aber auch dadurch zu einer Änderung in der Ehe kommen, indem der Saahir den Eheleuten oder einem von ihnen eine Art Zaubertrank gibt oder indem er Knoten bindet und auf sie pustet, usw. so dass einer oder beide von ihnen den anderen hassen oder hässlich finden.
 
 
Die Magie auflösen/brechen
Zwei Arten:

1. halal: nach Qur’an und Sunnah behandeln

2. haram: Mit Magie zu brechen, welches nicht erlaubt ist.

 
Zu 2.: Zeichen, wie jemand mit Magie behandelt:

  • Nimmt Gegenstände vom Kranken (Nägel, Haare, Kleider usw.)
  • Fragt nach seinem Namen und Muttername
  • Er schreibt bestimmte Zeichen auf einen Zettel
  • Er rezitiert undeutliche Verse, die man nicht verstehen kann
  • Er verlangt von dem Kranken oder den Angehörigen ein Tier zu opfern, auf bestimmte Weise und an einem bestimmten Ort, welche nicht mit dem Islam zu vereinen sind.
  • Der Magier gibt dem Kranken Sachen, die er verbrennen soll
  • Gibt dem Kranken Dinge, die er begraben soll

Diese unerlaubte Weise der Behandlung ist auch Schirk und verdient die Todesstrafe.


Zu 1.: Erlaubte Weise der Behandlung von Sihr:

  • Der Geschädigte könnte schauen, ob der Saahir (Magier) seine Haare verwendet hat und sie an oder um eines seiner Gegenstände geknotet hat. Wenn er dies sieht, sollte er dieses auflösen und verbrennen, wodurch der Zauber zerstört wird.
  • Wenn die Identität des Saahirs (Magiers) bekannt ist, sollte er gezwungen werden, sein Werk aufzulösen, indem man ihm droht, ihn zu exekutieren, wenn er es nicht tut. (Selbst wenn er es dann tut, muss er trotzdem getötet werden, ohne zur Tauba aufgerufen zu werden. Dies ist die richtige Meinung unter den Gelehrten)
  • Das Rezitieren des Qur’an:

        - Ayat Al-Kursi 2:255
        - Al-Fatiha
        - Al-A’raaf 7:106-122
        - Yunus 10:79-82
        - Ta-Ha 20:65-69
        - Sura Al-Kafirun
        - Schutz-Suwar

  • Bittgebete aus der Sunnah sollten gelesen werden wie das folgende (was 3 Mal gelesen werden soll):

Überliefert von ‘Aischa (radiAllahu anha) dass der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) diese Worte zu sprechen pflegte, wenn er einen Kranken besuchte oder einer zu ihm gebracht wurde:

« اللَّهُمَّ رَبَّ النَّاسِ ، أذْهِب البَأسَ ، اشْفِ أنْتَ الشَّافِي لا شِفَاءَ إِلا شِفاؤكَ ، شِفَاءً لا يُغَادِرُ سَقماً »

„Allahumma Rabban-nas, adhibi l-ba‘s, ischfi anta sch-Schaafii, la schifa'a ila schifaa'uk, schifa'an la yuraadiru saqama.“

"Allah, Rabb der Menschen, nimm diesen Schaden hinweg; heile, denn Du bist derjenige, der heilt; es gibt keine Heilung außer der Deinigen, als einer Heilung, die keine weitere Krankheit nach sich hat."

(Aus ‚Riyad us Salihin‘ - Kapitel 145: „Bittgebete für den Kranken“; dies ist muttafaqun 'alaih überliefert. Bukhari, Nr. 5743, Muslim, Nr. 2191)

Und das folgende Dua, welches Gibriil über dem Propheten als Ruqyah anwendete (man sollte es 3 Mal sagen):

Überliefert von Abu Sa'id al-Hudri (radiAllahu anhu) dass Jibril zum Propheten (sallAllahu alayhi wa sallam) kam und sagte: "O Muhammad, hast du Beschwerden?" Dieser bejahte. Jibril sagte:

« بِسْمِ الله أرْقِيكَ ، مِنْ كُلِّ شَيْءٍ يُؤْذِيكَ، مِنْ شَرِّ كُلِّ نَفْسٍ أَوْ عَيْنِ حَاسِدٍ ، اللهُ يَشْفِيكَ، بِسمِ اللهِ أُرقِيكَ »

„Bi-smi Llahi arqiqa, min kulli schai'in yu'dhika, min scharri kulli nafsin aw 'aini haasidin. Allahu yasfika, bi-smi Llahi arqiq.

„Im Namen Allahs, ich vollziehe Ruqyah für dich gegen alles, das dir Schaden zufügen könnte, gegen das Übel jeder Seele oder des neidische Auges ('Ayn). Möge dich Allah heilen, im Namen Allahs, ich vollziehe Ruqyah für dich.“

(Aus ‚Riyad us Salihin‘ - Kapitel 145: „Bittgebete für den Kranken“; Muslim, Nr. 2186)

  • Wichtig ist auch, dass die Person selber, welche mit Sihr heimgesucht wurde, als auch die Person, die über ihr Ruqyah liest, beide starken Iman an Allah haben müssen und beide sich ganz auf Allah verlassen müssen, denn die Heilung kommt nur von Ihm. Wenn Er bestimmt, dass sie geheilt wird, dann wird sie geheilt werden, wenn aber Allah aus Gründen der Prüfung beschlossen hat, die Heilung hinaus zu zögern, dann ist es so, und sie sollte geduldig sein und ganz auf Allah vertrauen und mit ihrem Schicksal zufrieden sein, da sowieso nur das geschieht, was Allah für sie bestimmt hat.
  • Die genannten Suwar und Ayaht sollten in Wasser gelesen werden, womit dann zum Teil das Wasser getrunken werden (drei Schlücke) und mit dem Rest der Körper gewaschen werden soll. Ebenso sollten sie auch über die Person gelesen werden und dann den Atem von den Suwar über seinen Kopf und die Brust blasen.
  • Was gerade bei Männern, die durch Zauber am ehelichen Geschlechtsverkehr gehindert wurden hilft, ihn auszuüben ist, dass sie sieben grüne Lotusblätter nehmen, sie zermahlen, in Wasser geben und darüber die genannten Suwar und Ayat aus dem Qur'an rezitieren und dieses Wasser dann zum Teil trinken (drei Schlücke) und sich zum Teil damit waschen.
  • Das Essen von sieben Aa’liya al-Barniy-datteln aus Medina als erstes am Morgen (wenn nicht vorhanden, kann es auch jede andere Art von Datteln sein)
  • Schröpfen


Wie kann man sich vor Sihr schützen?
Unter den wichtigsten Mitteln, sich vor Sihr zu schützen, bevor sie einem schaden kann ist, die im Islam vorgeschriebenen Adhkar und Da'awat zu machen:

  • 1) nach jedem Gebet Ayatul Kursi (2:255) rezitieren, nachdem man die jeweiligen Adhkar nach dem Gebet rezitiert hat
  • 2) Ayat Al-Kursi vor dem Schlafengehen rezitieren
  • 3) Die Schutz-Suwar nach jedem Pflichtgebet einmal zu rezitieren, sowie sie jeweils 3 Mal nach dem Fajr- und nach dem Maghrib-Gebet zu rezitieren
  • 4) Vor dem Schlafengehen die zwei letzten Verse der Sura Al-Baqarah ("Amana Rasulu ...") rezitieren
  • 5) So oft wie möglich und wenn man an einem bestimmten Ort angekommen ist oder sich ausruht, sollte man folgendes Dua sagen:

"‘A’udhu bi kalimaatil-Allaahi-taammati min Scharri ma khalaqa."

(Ich suche Zuflucht bei den vollkommen Worten von Allah vor dem Übel, welches Er erschaffen hat)

  • 6) Der Muslim sollte am Beginn des Tages und vor dem Schlafengehen folgendes Dua sagen:

“Bismil-lahil-ladhi laa yadur-ru ma’a-smihi shay’un fi’l-Ardi wa laa fi’-s-Samaa’i wa Huwa as-Samii’u-l-‘Alim.

(Im Namen Allahs, mit dessen Namen nichts auf der Erde oder im Himmel Schaden zufügen kann, und Er ist Al-Sami und Al-Alim)

 

Majmuu’ Fataawa wa Maqaalaat Mutanawwi’ah li Samaahat al-Shaykh al-‘Allaamah ‘Abd al-‘Aziz ibn ‘Abd-Allah ibn Baz, Band 8, S. 144

 

[1] Dieses Urteil findet ausschließlich in einem, unter islamischem Gesetz stehenden, Land seine Anwendung und wird vom islamischen Richter rechtskräftig gemacht. Dieses Urteil ist unsererseits kein Aufruf zur Selbstjustiz.

[2]{وَاتَّبَعُوا مَا تَتْلُو الشَّيَاطِينُ عَلَىٰ مُلْكِ سُلَيْمَانَ ۖ وَمَا كَفَرَ سُلَيْمَانُ وَلَـٰكِنَّ الشَّيَاطِينَ كَفَرُوا يُعَلِّمُونَ النَّاسَ السِّحْرَ وَمَا أُنزِلَ عَلَى الْمَلَكَيْنِ بِبَابِلَ هَارُوتَ وَمَارُوتَ ۚ وَمَا يُعَلِّمَانِ مِنْ أَحَدٍ حَتَّىٰ يَقُولَا إِنَّمَا نَحْنُ فِتْنَةٌ فَلَا تَكْفُرْ ۖ فَيَتَعَلَّمُونَ مِنْهُمَا مَا يُفَرِّقُونَ بِهِ بَيْنَ الْمَرْءِ وَزَوْجِهِ ۚ وَمَا هُم بِضَارِّينَ بِهِ مِنْ أَحَدٍ إِلَّا بِإِذْنِ اللَّـهِ ۚ وَيَتَعَلَّمُونَ مَا يَضُرُّهُمْ وَلَا يَنفَعُهُمْ ۚ وَلَقَدْ عَلِمُوا لَمَنِ اشْتَرَاهُ مَا لَهُ فِي الْآخِرَةِ مِنْ خَلَاقٍ ۚ وَلَبِئْسَ مَا شَرَوْا بِهِ أَنفُسَهُمْ ۚ لَوْ كَانُوا يَعْلَمُونَ}

"Und sie folgten dem, was die Teufel unter der Herrschaft Sulaimans (den Menschen) verlasen. Nicht Sulaiman betrieb Kufr, sondern die Teufel betrieben Kufr, indem sie die Menschen in der Sihr (Zauberei) unterwiesen und in dem, was auf die (beiden) Engel in Babel (Babylon), Harut und Marut, herabgesandt worden war. Und sie (beide) unterwiesen niemanden (in der Zauberei), ohne zu sagen: "Wir sind nur eine Versuchung; betreibe also keinen Kufr!" So lernten sie von ihnen (beiden) das (Zaubermittel), womit man Zwietracht zwischen den Ehegatten stiftet. Doch können sie damit niemandem schaden, außer mit Allahs Erlaubnis. Und sie erlernten, was ihnen schadet und nicht nützt. Und sie wussten doch, dass, wer es erkaufte, am Jenseits wahrlich keinen Anteil hätte. Fürwahr, wie schlimm ist das, wofür sie ihre Seelen verkauft haben, wenn sie (es) nur wussten! Und wenn sie Iman gehabt und Taqwa gemäß gehandelt hätten, dann wäre eine Belohnung von Allah dafür wahrlich besser (als das, was sie erkauft haben), wenn sie (es) nur wüssten." (Sura Al-Baqara 2:102-103)

Anmerkung: Siehe auch: Al-Baqarah:102-103 ● Sulaiman und die Engel, die Zauberei lehrten

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