Frage:
Bezüglich dem Hijab habe ich viele unterschiedliche Meinungen gehört. Könnt ihr den Hijab gemäß der Schari‘ah erklären? Und ist es Pflicht, Niqab zu tragen?

Antwort:
Die Bedingungen des Hidjab sind folgende:

1) Hijab muss den gesamten Körper bedecken, außer das, was davon ausgenommen wurde

Der Erhabene Allah hat gesagt:

{يَا أَيُّهَا النَّبِيُّ قُل لِّأَزْوَاجِكَ وَبَنَاتِكَ وَنِسَاءِ الْمُؤْمِنِينَ يُدْنِينَ عَلَيْهِنَّ مِن جَلَابِيبِهِنَّ ۚ ذَٰلِكَ أَدْنَىٰ أَن يُعْرَفْنَ فَلَا يُؤْذَيْنَ ۗ وَكَانَ اللَّـهُ غَفُورًا رَّحِيمًا}

"Oh Prophet, sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Mu'minun, sie sollen etwas von ihrem Jilbab über sich herunterziehen. Das ist eher geeignet, dass sie erkannt und so nicht belästigt werden. Und Allah ist Allvergebend und Barmherzig." (Surah Al-Ahzab 33:59)

Diese Ayah stellt eindeutig fest, dass es Fard ist, die Schönheit einer Frau zu bedecken. Nichts davon darf für einen Nicht-Mahram Mann zu sehen sein, außer das, was unbeabsichtigt zum Vorschein kam. In diesem Fall trifft sie keine Schuld, wenn sie dazu spurtet, diese Stellen wieder zu bedecken.

Al-Hafidh ibn Kathir sagte in seinem Tafsir: „Dies bedeutet, dass sie einem Nicht-Mahram nichts von ihrer Schönheit zeigen dürfen, außer das, was unmöglich ist, zu verbergen. Ibn Mas‘ud sagte: „So wie der Mantel und die Kleidung. Das heißt, das, was die Frauen der Araber an äußerem Gewand zu tragen pflegten, das die Kleidung darunter bedeckt hat. Das kleine Stück unten, was von der Kleidung vielleicht zu sehen ist, ist nicht schlimm für sie, da es unmöglich ist, es zu verbergen.““


2) Hijab darf selbst keine Zierde (Verschönerung) sein

Der Erhabene Allah hat gesagt: "Und sag zu den mu'min Frauen, sie sollen […] ihren Schmuck nicht offen zeigen […]." (Surah An-Nur 24:31) Die allgemeine Bedeutung dieses Verses umfasst auch das äußere Gewand. Denn, wenn es verschönert ist, dann wird es genauso die Aufmerksamkeit der Männer auf sie lenken. Dies wird durch die Ayah in Surah Al-Ahzab weiter bekräftigt:

{وَقَرْنَ فِي بُيُوتِكُنَّ وَلَا تَبَرَّجْنَ تَبَرُّجَ الْجَاهِلِيَّةِ الْأُولَىٰ}

"Haltet euch in euren Häusern auf; und stellt euch nicht zur Schau wie in der Jahiliyyah" (Surah Al-Ahzab 33:33)

 
Dies wird auch durch den Hadith unterstützt, indem der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) sagte:
„Es gibt drei Arten von Menschen, nach denen ihr nicht fragen braucht:
- Ein Mann, der die Gemeinschaft (al-Jama’ah) verlassen hat, zu seinem Führer ungehorsam war und ungehorsam starb.
- Eine Sklavin/ein Sklave, die/der davonläuft und dann stirbt.
- Eine Frau, deren Mann abwesend ist und der ihr all das hinterlassen hat, was sie braucht. Doch als er ging, hat sie sich zur Schau gestellt. Fragt mich nicht nach denen.“ (Al-Hakim, 1/119 und Ahmad, 6/19. Dieser Hadith wurde von Faddalah Bint ‘Ubaid berichtet. Seine Isnad ist Sahih und steht ist in „al-Adabb al-Muffradd“)

 

3) Hijab muss blickdicht und darf nicht durchsichtig sein

Denn die Verschleierung wird erst durch diese Bedingung erfüllt. Durchsichtige Kleidung macht eine Frau noch verlockender und schöner für den Mann. Deshalb sagte der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) diesbezüglich: „In der letzten Zeit meiner Ummah wird es Frauen geben, die bekleidet und doch nackt sind, die ihr Haar hochstecken wie die Höcker eines Kamels – verflucht sie, denn sie sind verflucht.“

In einem anderen Hadith fügt er noch hinzu: „Sie werden das Paradies nicht betreten noch seinen Duft auch nur riechen können, obwohl dieser Duft über eine Entfernung von so und so wahrgenommen werden kann.“ (Muslim aus dem Bericht von Abu Hurairah)

Ibn ‘Abdul-Barr sagte: „Das, was er (sallAllahu alayhi wa sallam) damit gemeint hat, sind Frauen, die feine Kleider tragen, die ihren Körper betonen und nicht bedecken. Daher sind sie zwar bekleidet, doch in Wirklichkeit nackt.“ (As-Suyuti in „Tanwir al-Hawalik, 3/103)


4) Hijab muss weit und darf nicht eng anliegend sein, sodass keine Teile des Körpers erkennbar sind

Der Zweck der Kleidung ist das Abwehren der Fitnah. Dies kann nur erreicht werden, wenn die Kleidung weit und nicht eng anliegend ist. Enge Kleidung zeigt, auch wenn sie die Hautfarbe der Frau verbergen sollte, die Umrisse ihres Körpers oder zumindest einen Teil davon und schafft somit ein lebendiges Bild in den Köpfen der Männer. Dies birgt bekannterweise viel Unheil und stiftet auch zu Unheil an. Also muss die Kleidung weit sein.

Usamah Ibn Zaid sagte: „Der Gesandte Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) gab mir ein dickes ägyptisches Gewand, das eines der Geschenke war, die ihm Duhyat Al-Kalbi gab. Ich wiederum gab es meiner Frau, damit sie es trägt. Er sagte: „Warum sehe ich nicht, dass du das ägyptische Gewand trägst?“ Ich sagte: „Ich habe es meiner Frau gegeben, damit sie es trägt.“ Er sagte: „Dann sag ihr, sie soll darunter ein Kleid tragen, denn ich befürchte, dass es die Größe ihrer Knochen beschreiben könnte.“ (Ad-Diya` al-Maqdisi in „al-Ahadith al-Muchtarah, 1/442, bei Ahmad und al-Bayhaqi, mit hassan Überlieferungskette)


5) Hijab darf weder parfümiert sein, noch den Duft des Bakhur (Weihrauchs) tragen

Es gibt zahlreiche Ahadith, die es Frauen verbieten, sich zu parfümieren, wenn sie aus ihren Häusern gehen. Wir werden hier einige davon erwähnen, die eine Sahih Überlieferungskette haben:

1. Abu Musa al-Asch‘ari sagte: Der Gesandte Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) sagte: „Jede Frau, die sich parfümiert und an den Leuten vorbeigeht, so dass sie sie riechen können, ist eine Ehebrecherin.“

2. Zainab ath-Thaqafiyyah hat berichtet, dass der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) sagte: „Wenn eine von euch (Frauen) in die Moschee geht, dann soll sie kein Parfüm auftragen.“

3. Abu Hurairah sagte: Der Gesandte Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam)  sagte: „Lasst keine Frau, die sich mit duftenden Weihrauch (Bachur) parfümiert hat, mit uns am ‘Ischa`-Gebet teilnehmen.“

4. Musa Ibn Yasar hat von Abu Hurairah berichtet, dass eine Frau an ihm vorbeiging, während ihr Duft überwältigend war. Er sagte zu ihr: „O Dienerin des Gewalthabers, gehst du etwa gerade in die Moschee?“ Sie sagte: „Ja.“ Er sagte: „Und hast du dich deshalb dafür parfümiert?“ Sie sagte: „Ja.“ Er sagte: „Dann geh wieder zurück (in dein Heim) und wasche dich, denn ich hörte den Gesandten Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) sagen: „Wenn eine Frau in die Moschee kommt und ihr Duft überwältigend ist, wird Allah keines ihrer Gebete annehmen, bis sie nach Hause geht und sich wäscht.“

Diese Ahadith sind allgemein gültig. Das Verbot des Auftragens von Parfüm erstreckt sich sowohl auf den Körper als auch auf die Kleidung, insbesondere da ja im dritten Hadith der Bakhur erwähnt wurde und Bakhur speziell zum parfümieren der Kleidung benutzt wird.
Der Grund für dieses Verbot ist ganz klar, nämlich dass der Duft der Frauen die Begierden der Männer unnötig provoziert. Die Gelehrten haben auch andere Dinge zu diesem Punkt aufgezählt, die zu den Dingen, die von Frauen vermieden werden sollten, gehören, wenn sie in die Moschee gehen z. B. schöne Kleider, sichtbarer Schmuck, übermäßige Zierde und das Sich-Mischen mit Männern. Siehe „Fath al-Bari“, 2/279.

Daqiq ibn Al-‘Ayd sagte: „Dies zeigt, dass es für eine parfümierte Frau verboten ist, in die Moschee zu gehen, da es eine Ursache für die Erweckung der Begierde der Männer sein kann.“ (Zitiert von Al-Manawi in „Fayd al-Qadir“ im Kommentar zum ersten Hadith von Abu Hurairah)


6) Hijab darf der Kleidung der Männer nicht ähneln

Es wurden in zahlreichen Ahadith, die Sahih sind, berichtet, dass eine Frau, die Männer in der Kleidung oder in anderer Weise nachahmt, verflucht ist. Es folgen nun einige dieser Ahadith, die wir diesbezüglich kennen:

1. Abu Hurairah sagte: „Der Gesandte Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) verfluchte den Mann, der Frauenkleider trägt und die Frau, die Männerkleidung trägt.“

2. ‘Abdullah Ibn ‘Amr sagte: Ich hörte den Gesandten Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) sagen: „Frauen, die die Männer nachahmen, sind nicht von uns und ebenso diejenigen Männer, die die Frauen nachahmen.“

3. Ibn 'Abbas hat gesagt: "Der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) verfluchte die verweiblichten Männer und die vermännlichten Frauen. Er sagte: „Vertreibt sie aus ihren Häusern.“ Er sagte: „Der Prophet (sallAllahu alayhi wa sallam) vertrieb danach den so und so und ‘Ummar vertrieb den so und so.“ In einem anderen Wortlaut heißt es: „Der Gesandte Allahs verfluchte Männer, die Frauen und Frauen, die Männer nachahmen.“

4. ‘Abdullah ibn ‘Amr sagte: Der Gesandte Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) sagte:
„Drei Arten von Menschen werden weder in das Paradies eintreten noch wird sie Allah am Tage der Auferstehung anschauen:
- Derjenige, der seine Eltern plagt,
- die Frau, die eine Neigung zum Männlichen zeigt bzw. Männer nachahmt und
- der Dayyuth.“

(Anm.: Ein Dayyuuth ist jemand, der die Unsittlichkeit seiner nahestehenden weiblichen Verwandten (Töchter, Ehefrau etc.) zulässt und ohne jegliche Strenge ist.)

5. Ibn Abi Malikah - dessen Name ‘Abdullah ibn ‘Ubaidullah war - sagte: Es wurde zu A`ischah (radiAllahu anha) gesagt: „Was ist, wenn eine Frau Sandalen trägt (, die eigentlich für Männer gedacht sind)?“ Sie sagte: „Der Gesandte (sallAllahu alayhi wa sallam) verfluchte Frauen, die wie Männer handeln.“

Diese Ahadith zeigen deutlich, dass es für Frauen verboten ist, Männer nachzuahmen und umgekehrt. Dies umfasst in der Regel Kleidung, sowie andere Dinge. Die von uns erwähnten Ahadith beziehen sich hier jedoch lediglich auf die Kleidung.


7) Hijab darf der Kleidung der Kuffar nicht ähneln

Es ist in der Schari‘ah verankert, dass Muslime - Männer und Frauen gleichermaßen - die Kuffar nicht nachahmen dürfen. Sei es im Hinblick auf ihre Ibadha, ihren Festen oder ihrer typischen Kleidungsart. Dies ist ein wichtiges Grundprinzip der Schariah, das aber in der heutigen Zeit leider von vielen Muslimen vernachlässigt wird; auch von solchen, die für diese Religion eintreten und andere zum Islam rufen. Dies geschieht entweder aufgrund ihrer Unkenntnis über ihre eigene Religion oder weil sie ihren eigenen Launen und Gelüsten folgen. Es kann aber auch sein, dass sie zu den „modernen Sitten“ abgewichen und somit zu Nachahmern des Westens geworden sind. Dies war eines der wesentlichen Ursachen für den Niedergang der Muslime, für ihre Schwäche und für die Kolonialisierung durch die Ausländer.

{إِنَّ اللَّـهَ لَا يُغَيِّرُ مَا بِقَوْمٍ حَتَّىٰ يُغَيِّرُوا مَا بِأَنفُسِهِمْ}

"Allah ändert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist." (Sura Ar-Ra‘d 13:11) Wenn sie es nur wüssten.

Es ist erforderlich zu wissen, dass es zahlreiche Beweise für die Richtigkeit dieses Grundprinzips existieren, sei es aus dem Qur`an oder auch aus der Sunna. Die Beweise aus dem Qur`an sind zusammengefasst und werden in der Sunna weiter ausgeführt, so wie es immer der Fall ist.


8) Hijab darf nicht zum Zweck des Ruhmes und der Eitelkeit getragen werden

Ibn ‘Ummar (radiAllahu anhu) sagte: Der Gesandte Allahs (sallAllahu alayhi wa sallam) sagte: „Derjenige, der Kleidung trägt, die für den weltlichen Ruhm entworfen wurde, den wird Allah an Yaum al-Qiyamah ein Kleid der Demut tragen lassen; dann wird er ins Feuer gehen.“

Was deine zweite Frage betrifft, nämlich ob das Tragen von Niqab Pflicht ist, so werden wir, inschaa'allah, in naher Zukunft dazu Stellung nehmen.

 

Schaykh al-Albaani, rahimahullaah

Aus 'Der Schleier der muslimischen Frau' (Al-Hijaab al-Mar`ah al-Muslimah), S. 54-67

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