Frage:
Wie kommt es, dass, obwohl die Satane im Ramadan angekettet sind, es trotzdem Leute gibt, die Sünden und Übles begehen? Wie müssen wir den Hadith des Propheten (salla-llahu alayhi wa sallam) verstehen: „Wenn der erste Tag des Ramadan kommt, werden die Satane angekettet.“?

Antwort:
Dieser Hadith behandelt zwei Gruppen:

  1. Die erste Gruppe sind die Kuffar, sie haben dieses Schutz vor den Satanen nicht.
  2. Die zweite Gruppe sind die Mu’minuun. Sie sind diejenigen, bei denen die Sünden verringert werden.

Der Hadith spricht nicht von allen Leuten im Allgemeinen, von der gesamten Schöpfung; und wir müssen verstehen, dass die Leute in zwei Kategorien unterteilt sind. Die Kuffar verbleiben auf ihrem Kufr und ihrer Irreleitung. Aber die zweite Gruppe, die Mu’minuun sind diejenigen, die ihre schlechten Taten oder ihre Übertretungen in diesem speziellen Monat verringern.
Das ist die Antwort auf diese Frage.


Schaykh Al-Ghudayyaan, hafidhahullah

Aus einer Audioaufnahme des Schaykhes


Al-Bukhari (1899) und Muslim (1079) berichteten von Abu Hurayrah (radiya-llahu anhu) dass der Gesandte Allahs (salla-llahu alayhi wa sallam) sagte: {إِذَا جَاءَ رَمَضَانُ فُتِّحَتْ أَبْوَابُ الْجَنَّةِ، وَغُلِّقَتْ أَبْوَابُ النَّارِ، وَسُلْسِلَتْ الشَّيَاطِينُ}

„Wenn Ramadan kommt, sind die Tore des Paradieses geöffnet und die Tore der Hölle geschlossen, und die Teufel sind in angekettet.“

Es gibt Meinungsverschiedenheit unter Gelehrten, bzgl. der Bedeutung, dass die Teufel im Ramadan angekettet sind.

Al-Haafiz ibn Hajar sagte, Al-Halimi zitierend: Es kann bedeuten, dass die Teufel nicht fähig sind, die Muslime so in Versuchung zu führen, wie sie es zu anderen Zeiten vermögen, weil die Leute mit ihrem Fasten, welches wiederum ihre Begierden zügelt, und dem Lesen des Qur’ans und Dhikr, beschäftigt sind.

Ein anderer Gelehrter (als Al-Halimi) sagte, dass bezüglich den Teufeln gemeint ist, dass manche von ihnen, nämlich Al-Mardah {المردة} (starke Teufel), diejenigen sind, die angekettet werden.

’Iyaad sagte: Es kann wörtlich verstanden werden, und dass es wie ein Zeichen für die Engel ist, dass der Monat angefangen hat, und in Ehrung seiner Heiligkeit und um die Teufel davon abzuhalten, den Muslimen zu schaden. Und es kann auch so verstanden werden, dass es sich auf die gewaltige Menge an Belohnung und Vergebung bezieht, und dass die Teufel die Leute weniger in Versuchung führen, daher ist es so, als wären sie angekettet.

Diese zweite Interpretation wird durch die Tatsache unterstützt, dass es nach einem Bericht, erzählt von Yunus von Ibn Schihab, der bei Muslim verzeichnet ist, heißt: „Die Tore der Barmherzigkeit sind geöffnet“.

Das Anketten der Teufel kann auch als Metapher dafür verstanden werden, dass sie unfähig sind, die Leute zu verführen und ihnen ihre Launen und Begierden attraktiv erscheinen zu lassen.

Al-Zayn ibn al-Munir sagte: Die erste Ansicht ist höchstwahrscheinlich die richtige, und es gibt keinen Grund, es auf irgendeine andere Art und Weise zu verstehen, als wortwörtlich.“ (Fath al-Bari, 4/114)


Schaykh Ibn ‘Uthaymin (rahimahullah) wurde über die Worte des Propheten (salla-llahu alayhi wa sallam) {وصفدت الشياطين} „und die Teufel sind angekettet” gefragt: „Noch immer sehen wir im Ramadan Leute, die an Epilepsie leiden – wie können also die Teufel angekettet sein, wenn manche Leute epileptische Anfälle bekommen?“

Er antwortete: „In manchen Versionen von diesem Hadith heißt es: {تصفد فيه مردة الشياطين} „und die mardah-Teufel sind angekettet“, oder {تغل} dies wird von An-Nasaa’i berichtet.

Dieser Hadith spricht über Angelegenheiten des Verborgenen, also müssen wir ihn akzeptieren und nicht weiter darüber diskutieren. Das ist sicherer für die Religion einer Person und besser für den Ausgang. Daher, als ’Abd-Allah, der Sohn von Imam Ahmad ibn Hanbal, zu seinem Vater sagte: „Manche Leute leiden während des Tages im Ramadan an epileptischen Anfällen“, sagte der Imam: „So heißt es in dem Hadith und wir diskutieren nicht darüber.“
Außerdem scheint es, dass mit dem Anketten gemeint ist, dass sie davon abgehalten werden, die Leute zu verführen, basierend auf der Tatsache, dass es im Ramadan viel Frömmigkeit gibt und viele Leute sich zu Allah hinwenden.“ (Majmuu’ al-Fataawa, 20)

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