Taqi ad-Din Àbû al-’Abbās Àhmad Ibn ‘Abd-Al-Halīm Ibn ‘Abd‐-As-Salām Ibn Taymiyya al-Harrānī al-Hanbalī wurde am Montag den zehnten des Rabi’ al-Awwal 661 n.H in Harrān geboren. Sein Vater floh im Jahre 667 n.H. mit der Familie aus Angst vor den Tartaren, welche in das Land des Ìslām eingefallen und sehr dicht bei Harrān waren, nach Damaskus. In Damaskus, dem damaligen Zentrum der Ìslām‐Lehre, folgte Àhmad Ibn Taymiyya dem Weg seines Vaters, welcher selbst Gelehrter des Ìslām war, indem er bei den Großgelehrten seiner Zeit lernte. Unter ihnen war eine gelehrte Frau mit dem Namen Zaynab bint Makkī, welche ihm Hadīth‐Wissenschaft lehrte.

Er schloss sein Studium als junger Mann im Alter von neunzehn Jahren ab und wurde zum ‘Ālim. Gut bewandert in der Lehre von Qu´rān, Hadīth, Fiqh, arabischer Grammatik und akademischer Ìslām‐Lehre war er in der Lage, Fatâwa über juristische Angelegenheiten herauszugeben, ohne dabei den traditionellen Rechtsschulen wie der Hanafī, Mālikī, Shāfi’ī oder Hanbalī zu folgen. Er verteidigte seine vernünftige (und auch vorgeschriebene) Weise, obwohl das Nehmen aus Qu´rān und Sunna den Menschen bis dahin unbekannt geworden war. Die Freiheit seiner Meinungsverschiedenheiten erbrachte ihm viele Feinde unter den Gelehrten der bis dahin traditionell orthodoxen Rechtsschulen, welche ihm fälschlicherweise aller Art der Häresie vorwarfen. Unter ihnen war ein bekannter mittelalterlicher Reisender mit dem Namen Ibn Bathūtha, welcher nach Damaskus kam, während Ibn Taymiyya im Gefängnis war. Dies hinderte Ibn Bathūtha nicht daran, zu bezeugen, dass er Ibn Taymiyya auf der Kanzel gesehen habe, als dieser gesagt hätte „Allāh steigt jede Nacht zum untersten Himmel wie mein herabsteigen“, während er eine Treppe der Kanzel herabgestiegen sein soll. Durch Lesen dieser ‘Aqīda‐Niederschrift lernen wir, dass Ibn Taymiyya die Eigenschaften Allāhs akzeptierte ohne sie zu hinterfragen (bi‐la kaifa).

Er bekämpfte ketzerische Neuerungen (bid’a) in der Religion, welche während seiner Zeit in der ganzen ìslāmischen Welt weit verbreitet waren, vor allem bestimmte Handlungen und Überzeugungen mancher Sūfī‐Orden, wie Heiligenverehrung und das Besuchen und verehren von Heiligengräbern, die sich somit selbst in das Feuer warfen. Seine Angriffe auf die Sūfīs brachten ihm eine Menge Schwierigkeiten mit den Autoritäten ein, deren Persönlichkeiten unter dem Einfluss bestimmter Sūfī‐Führer waren.

Ibn Taymiyya’s Angriff war nicht auf die Sūfīs und auf jene Menschen, die den ketzerischen Neuerungen (bid’a) folgten, beschränkt, sondern er kämpfte auch gegen die Tartaren an, welche die ìslāmische Welt bekämpft und beinahe Damaskus erreicht haben. Die Leute von Syrien sandten ihn nach Ägypten um den mamlūkischen Sultān, welcher Sultān von Ägypten und Syrien war, dazu zu drängen, das Heer nach Syrien anzuführen, um es vor den einfallenden Tartaren zu schützen. Als er erkannte, dass der Sultān zögerte dies auszuführen, drohte er ihm: „Wenn du Syrien deinen Rücken kehrst, dann werden wir dort einen Sultān ernennen, der es verteidigen kann und es in Zeiten des Friedens regieren kann!“. Er war auch bei der Schlacht von Shaqhab gegen die Tartaren nahe Damaskus. Die Schlacht fand während des Fastenmonats Ramađān statt und er stellte der Armee eine Fatwa aus, dass sie ihr Fasten brechen sollen, damit sie ihnen gegen den Feind helfen mögen, so wie auch der Prophet Muhammad (š‐ Allāh‐’aws) in der Schlacht der Befreiung Makka’s gehandelt hat. Die Muslime gewannen die Schlacht gegen die Tartaren und verdrängten sie aus Damaskus und aus ganz Syrien. Ibn Taymiyya’s Heldenhaftigkeit zeigte sich auch darin, als er mit einer Delegation von ‘Ulamā` zu Gesprächen mit Qazan, dem Khan der Tartaren aufbrach um ihn davon abzuhalten über die Muslime herzufallen. Nicht einer der ‘Ulamā` traute sich etwas zu sagen, außer Ibn Taymiyya, der sagte: „Du behauptest, dass du Muslim bist und du hast bei dir Mu`adhins, Richter, Imāme und Shujūkh und trotz dessen hast du uns überfallen und nahmst unser Land ein, warum? Während dein Vater und dein Großvater, Hulago Ungläubige waren, haben sie das Land des Ìslām nicht angegriffen, vielmehr versprachen sie, nicht anzugreifen und sie hielten ihr Versprechen. Aber du versprachst und brachst dein Versprechen.“

All dieser Jihād gegen die Feinde des Ìslām half Ibn Taymiyya und den ‘Ulamā`. Die Staatsdiener warfen ihn immer wieder ins Gefängnis, bis er dort starb. Dies aufgrund seiner Tapferkeit und seinen freien und andauernden Aussagen über die gesetzlichen und sozialen Angelegenheiten, was seine Feinde, die Nachfolger der orthodox‐juristischen Rechtsschule erzürnte. Als Ibn Taymiyya jedoch die Wahl hatte, seine Gegner unter den ‘Ulamā` zu strafen. Jene, die ihm aller Art Schwierigkeiten zufügten und ihn oft ins Gefängnis bringen ließen, so entgegnete er ihnen höchst nachsichtig und vergab ihnen, als der Sultān an‐ Nasir Qalawun ihm die Gelegenheit gab. Er sagte: „Wenn du sie tötest, dann wirst du niemals solche ‘Ulamā` wie sie finden.“ Der Sultān sagte: „Sie haben dir oft geschadet und sie wollten dich töten!“ Ibn Taymiyya sagte: „Wer immer mir geschadet hat, dem wird vergeben und wer der Sache Allāhs und seinem Gesandten geschadet hat, den wird Allāh bestrafen.“

Die muslimischen Historiker, wie adh‐Dhahabī, Ibn Kathīr, Ibn al‐ ‘Imad al‐Hanbalī und viele andere lobten Ibn Taymiyya und sahen ihn als einen der größten Ìslām‐Gelehrten aller Zeiten an. Ibn Taymiyya starb in der Nacht von Yawm al‐Ìthnayn, dem zwanzigsten des Dhu al‐Qa’da 728 n.H. im Gefängnis von Damaskus.

Die Leute von Damaskus, die ihn in großen Ehren hielten, bereiteten ihm ein großartiges Begräbnis und ungefähr 200 000 Männer und 15 000 Frauen nahmen an seinem Toten‐Geleit teil. Er wurde auf dem Sūfī Friedhof in Damaskus begraben, wo auch seine Mutter begraben lag. Trotz aller Turbulenzen in seinem Leben, wie oben beschrieben, war Ibn Taymiyya in der Lage, viele Bücher und Schriften über alle Bereiche des ìslāmischen Wissens zu schreiben. Sein Schüler Ibn al-Qayyim al-Jawziyya stellte ein Verzeichnis der Schriften Ibn Taymiyya’s zusammen, in welchem 350 Werke aufgelistet sind.

 

Einige seine Werke


  • Majmu al-Fatwa al-Kubra - (Eine gewaltige Fatwasammlung)
  • Minhaj as-Sunnah an-Nabawiyyah—(The Pathway of as-Sunnah an-Nabawiyyah)—Bänder 1–4
  • Majmu' al-Fatawa—(Fatwasammlung) Bänder 1–36
  • al-Aqeedah Al-Hamawiyyah—(Der Weg der Leute von Hamawiyyah)
  • Al-Aqidah Al-Waasitiyyah—(Der Weg der Leute von Waasittiyah)
  • al-Asma wa's-Sifaat—(Allah's Namen und Attribute) Bänder 1–2
  • 'al-Iman—(Der Glaube)
  • al-Jawab as Sahih li man Baddala Din al-Masih (Sinngemäß: "Die korrekte Antwort auf diejenigen, die den Deen (Religion) des Masihs korrumpiert haben")— 7 Bänder mit tausenden Seiten
  • as-Sarim al-Maslul ‘ala Shatim ar-Rasul—Das gezogene Schwert gegen diejenigen, die den Propheten beleidigen. Geschrieben bezüglich eines Vorfalles, indem Christen den Propheten beschimpften - Dies ist ein sehr bakanntes Buch, dass er in seiner Gefangenschaft im Gefängnis schrieb und etliche Referenzen beinhaltet.
  • Fatawa al-Kubra
  • Fatawa al-Misriyyah
  • Ar-Radd 'ala al-Mantiqiyyin (Widerlegung der griechischen Denker)
  • Naqd at-Ta'sis
  • Al-Uboodiyyah—(Abhängigkeit/ Unterwerfun zu Allah)
  • Iqtida' as-Sirat al-Mustaqim'—(Folgen des geraden Weges)
  • Al-Siyasa al-shar'iyya
  • At-Tawassul wal-Waseela
  • Sharh Futuh al-Ghayb—(Kommentar über das Verborgene von Abdul-Qadir Gilani)
  • Die Freunde Allahs und die Freunde des Schaitan
  • Kitab al Iman: Das Buch des Glaubens
  • Krankheiten des Herzens und seine Heilung
  • Die Befreiung von Drangsal/ Elend
  • Das prägnante Vermächtnis
  • Das Göttliche Wort
  • Der medinensische Weg
  • Minhaaj us-Sunnah an-Nabawiyyah
  • Daar Ta'aarud al-'Aql wa an-Naql
  • al-lstiqaamah
  • Iqtidaa' as-Siraat al-Mustaqeem Li Mukhaalafah As-haab al-Jaheem
  • Naqd Maraatib al-ljmaa'
  • as-Saarim al-Maslool 'alaa Shaatim ar-Rasool
  • al-Jawaab as-Saheeh li man baddala Deen al-Maseeh
  • ar-Raad 'alaa al-Mantiqiyyeen
  • ar-Raad 'alaa al-'Akhnan'ee
  • Naqd at-Ta'seesan-Nuboowaat

 

Seine Lehrer


Der Sheikh hat sein Wissen aus einer Vielzahl von Großgelehrten erworben, die in dem überlieferten Buch von seinem Schüler adh-Dhahabi aufgelistet sind. Diese spezielle Chronik des Sheikes zählt vierzig männgliche Gelehrte und vier weibliche Gelehrte. Zu ihnen gehören:

  • Abu al-'Abbaas Ahmad Ibn 'Abdud-Daa'im al-Maqdasi
  • Abu Nasr 'Abdul-'Aziz Ibn 'Abdul-Mun'im
  • Abu Muhammad Ismaa'il Ibn Ibrahim at-Tanukhi
  • Al-Manjaa Ibn 'Uthman at-Tanookhi ad-Dimashqi
  • Abu al-'Abbas al-Mu'ammil Ibn Muhammad al-Baalisi
  • Abu 'Abdullaah Muhammad Ibn Abi Bakr Ibn Sulayman al-'Aamiri
  • Abu al-Faraj 'Abdur-Rahmaan Ibn Sulaymaan al-Baghdadi
  • Sharaf ad-Deen al-Maqdasee, Ahmad Ibn Ahmad ash-Shaafi'i
  • Muhammad Ibn 'Abdul-Qawi al-Maqdasi
  • Taqi ad-Din al-Waasiti, Ibrahim Ibn 'Ali as-Salihi al-Hanbali
  • Sein Stiefonkel, Sitt ad-Daar bint 'Abdus-Salam Ibn Taymiyyah

 

Seine Schüler


Der Sheikh hatte eine große Zahl an Schülern, von denen viele von ihm sehr beeinflusst wurden und viel Wissen erworben haben. Zu seinen größten Schülern gehören:

  • Ibn Qayyim al-Jawziyyah, Muhammad Ibn Abi Bakr
  • adh-Dhahabi, Muhammad Ibn Ahmad
  • al-Mizzi, Yusuf Ibn 'Abdur-Rahman
  • Ibn Katheer, Ismaa'il Ibn 'Umar
  • Ibn 'Abdil-Hadi, Muhammad Ibn Ahmad
  • al-Bazzaar, 'Umar Ibn 'Ali
  • Ibn Qaadi al-Jabal, Ahmad Ibn Hasan
  • Ibn Fadlillaah al-'Amri, Ahmad Ibn Yahya
  • Muhammad Ibn al-Manjaa Ibn 'Uthman at-Tanookhi
  • Yusuf Ibn 'Abdul-Mahmud Ibn 'Abdis-Salam al-Batti

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