Die gute Meinung über Allah

Einige verlassen sich auf die Worte des Propheten (salla-llahu alayhi wa sallam), der über seinen Herrn berichtete: „Ich bin entsprechend der guten Meinung Meines Dieners über Mich. So soll er über Mich denken, was er möchte.“ (Ibn Hibban 633 und 641, sahih nach Al-Albaani.)
 
Also mit anderen Worten: „Entsprechend seiner Meinung werde Ich handeln.“ Zweifelsohne ist die gute Meinung mit der Rechtschaffenheit (Ihsaan) verknüpft. So hat der Rechtschaffene eine gute Meinung von seinem Herrn, dass Er ihn für seine Aufrichtigkeit belohnen wird, Sein Versprechen einhalten und seine Reue annehmen wird.
Der Sünder auf der anderen Seite, der auf den großen Sünden, dem Unrecht und den Vergehen beharrt, wird durch die Trostlosigkeit der Sünden, des Unrechts und des Verbotenen am guten Denken über Seinen Herrn gehindert. Dies ist auch in der bezeugten Realität vorhanden. Ein boshafter Sklave, der sich auf der Flucht befindet und seinem Herrn gegenüber ungehorsam war, wird keine gute Meinung über seinen Herrn haben. Die Trostlosigkeit der Missetat kann niemals mit der guten Meinung in Einklang gebracht werden. Ein Missetäter fühlt sich seiner Missetat entsprechend einsam, während diejenigen, welche die beste Meinung über ihren Herrn haben, Ihm auch am besten dienen. Al-Hassan Al-Basri sagte: „Der Gläubige erwartet Gutes von seinem Herrn und verrichtet deshalb gute Taten, der Sünder hingegen erwartet Schlechtes von seinem Herrn und begeht deshalb schlechte Taten.“ (Az-Zuhd von Ahmad, 1652)

Wie soll jemand Gutes von seinem Herrn denken, während er vor Ihm flieht, sich dort niederlässt und aufhält, wo Sein Ärger und Zorn erregt werden und sich Seiner Verdammnis aussetzt. Seine Rechte und Gebote sind ihm gleichgültig, so dass er sie vernachlässigt hat und Seine Verbote sind ihm egal, weshalb er sie missachtet hat und darauf beharrt. Wie soll jemand Gutes von seinem Gott denken, wenn er Ihm offen den Krieg erklärt, Seine Freunde anfeindet und Seine Feinde zu Schutzherren nimmt, Seine Eigenschaft der Vollkommenheit leugnet und eine schlechte Meinung über das hat, womit Er Sich Selbst, als auch Sein Gesandter Ihn beschrieben haben. Aufgrund seiner Unwissenheit glaubt er auch noch, dass der äußere Sinn all dieser Eigenschaften Irrglaube und Häresie sei. (Hiermit sind vorwiegend die Mu’tazilah gemeint, welche die Namen und Eigenschaften Allahs verleugnen). Wie soll jemand eine gute Meinung über jemanden haben, von dem er glaubt, dass er weder spricht, noch befiehlt, verbietet, zufrieden ist oder zürnt? Allah, der Erhabene, sagt über diejenigen, die daran zweifeln, dass Er alle Einzelheiten hören kann, womit geheime Gespräche gemeint sind:

{وَذَٰلِكُمْ ظَنُّكُمُ الَّذِي ظَنَنتُم بِرَبِّكُمْ أَرْدَاكُمْ فَأَصْبَحْتُم مِّنَ الْخَاسِرِينَ}

„Und diese eure Meinung, die ihr von eurem Herrn hattet, hat euch ins Verderben gestürzt, so dass ihr jetzt zu den Verlierern gehört.“ (Surah Fussilat 41:23)
 
Als diese glaubten, dass Allah, der Gepriesene, nicht über vieles von dem, was sie tun, Bescheid weiß, war dies eine schlechte Meinung über ihren Herrn, und diese Meinung stürzte sie ins Verderben. Dies gilt ebenso für jeden, der die Eigenschaften Seiner Vollkommenheit und die Attribute Seiner Pracht verleugnet und Ihn in nicht geziemender Weise beschreibt. Wenn solch einer glaubt, dass Allah ihn das Paradies betreten lässt, dann wurde er durch sich selbst getäuscht und hintergangen und hat dies vom Teufel eingeflüstert bekommen. Mit guter Meinung über Seinen Herrn hat dies nichts zu tun.
 
Betrachte diesen Absatz eingehend und mach dir Gedanken über seine besondere Notwendigkeit. Denn wie soll im Herzen eines Dieners die Gewissheit darüber herrschen, dass er auf seinen Herrn treffen wird, dass Allah seine Worte hört, seinen Standort sieht und seine geheimen und sichtbaren Angelegenheiten kennt, dass Ihm keine seiner Angelegenheiten verborgen bleibt und dass er vor seinem Herrn stehen wird und Rechenschaft ablegen muss, über alles, was er getan hat, während er sich dort aufhält, wo der Zorn Allahs erregt wird, Seine Gebote missachtet und Seine Rechte nicht erfüllt werden? Alldem zum Trotz soll er eine gute Meinung über Allah besitzen. Ist dies nicht lediglich eine Täuschung durch die Seelen und eine Verblendung durch Wünsche?
 
Abu Umaama Sahl ibn Hunayf sagte: „Ich ging mit Urwa ibn az-Zubair zu Aischa (radiya-llahu anha), die sprach: „Hättet ihr doch bloß den Propheten (salla-llahu alayhi wa sallam) während seiner Krankheit gesehen, als er sechs oder sieben Dinar bei sich hatte! Der Gesandte Allahs (salla-llahu alayhi wa sallam) befahl mir sie zu verteilen.“ Sie sprach weiter: „Doch war ich durch die Krankheit des Gesandten Allahs (salla-llahu alayhi wa sallam), bis Allah ihn genesen ließ, beschäftigt gewesen. Danach fragte er mich nach ihnen mit den Worten: „Hast du die sechs Dinar verteilt?“ Ich sagte: „Nein, deine Krankheit hat mich beschäftigt.“ Er ließ das Geld holen, legte es in seine Hand und sagte: „Was soll man vom Propheten Allahs halten, wenn er auf Allah trifft und dies bei ihm ist?“
In einer anderen Überlieferung heißt es: „Was hat wohl Muhammad von seinem Herrn zu erwarten, wenn er auf Allah trifft und dies bei ihm ist?“ (Ahmad, 6/104, sahih nach Al-Albaani)
 
Oh Allah! Was erwarten denn diejenigen, die große Sünden begehen und Unrechtes tun, von Allah, wenn sie auf Ihn treffen werden und die Ungerechtigkeiten gegenüber den Dienern auf ihnen lasten. Wenn ihnen die Worte: „Wir haben eine gute Meinung über Dich gehabt“ nützen würden, dann würde kein Ungerechter oder Frevler mehr bestraft werden. In diesem Fall kann der Diener tun, was er möchte, nämlich alles, was Allah verboten hat, und dann eine gute Meinung über Allah pflegen, denn das Höllenfeuer wird ihn nicht berühren. SubhaanAllah! Erstaunlich, wie weit die Täuschung bei einem Diener gehen kann. Ibrahim sagte einst zu seinem Volk:

{أَئِفْكًا آلِهَةً دُونَ اللَّـهِ تُرِيدُونَ ﴿٨٦﴾ فَمَا ظَنُّكُم بِرَبِّ الْعَالَمِينَ}

„Wollt ihr außer Allah falsche Götter haben? Welche Meinung habt ihr denn vom Herrn der Weltenbewohner?“ (Surah As-Saaffaat 37:86-87)
 

Die gute Meinung von Allah zu haben bedeutet gute Taten zu verrichten

Wer genau darüber nachdenkt, wird unweigerlich erkennen, dass die gute Meinung über Allah die gute Tat selbst ist. Denn der Diener wird zur Verrichtung guter Taten eben durch seine gute Meinung über seinen Herrn angetrieben, dass Er ihm seine Taten vergelten und ihn dafür belohnen und sie von ihm annehmen wird. Was ihn also zur guten Tat veranlasst hat, ist die gute Meinung. Umso besser seine Meinung über seinen Herrn ist, desto besser werden seine Taten.
Die gute Meinung in Verbindung mit dem Befolgen von Neigung ist Unfähigkeit, wie es im Hadith bei Tirmidhi und im Musnad-Werk von Imam Ahmad von Saddad ibn Aus über den Propheten (salla-llahu alayhi wa sallam) heißt: „Der Kluge ist derjenige, der sich selbst zur Rechenschaft zieht und für die Zeit nach seinem Tod handelt. Der Unfähige ist derjenige, der seine Seele ihre Neigungen befolgen lässt und leere Hoffnungen auf Allah hat.“ (Tirmidhi 2459, nach Al-Hakim sahih, aber nach Al-Albaani da’iif)
 
Zusammengefasst kann gesagt werden, dass nur dann gute Meinung angebracht ist, wenn die rettenden Ursachen vorhanden sind. Liegen jedoch die Ursachen für die Vernichtung vor, so ist eine gute Meinung nicht möglich.


Imam Ibn Qayyim al-Jawziyyah, rahimahullah
 
Aus dem Buch „Die Krankheit und Heilung“ von Imam Ibn Qayyim al-Jawziyyah, Seite 59-63

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